Tuesday, December 19, 2023

04. Dezember - Sand, Sand, Sand soweit das Auge reicht

Obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen ist, treibt es uns aus den Zelten. Die Nacht war sehr heiß und ich bin froh, dass sie rum ist. Den in Südafrika gekauften Schlafsack habe ich nur als saubere Unterlage gebraucht. Tracy hat ohne ihre 5 Kissen geschnarcht. Da hätten wir die Schnarcher gar nicht vertreiben müssen. Um 7 sind wir schon auf dem Weg in den Nationalpark “Namib Desert”, und das ist auch gut so. Die Sonne brennt und bis wir die paar km zur Düne 45 gefahren sind, auf die wir steigen dürfen. Ist es grell und uns allen läuft das Wasser. Aber es lohnt sich. Der beschwerliche Aufstieg ist einzigartig  - und dieses Wort wird heute nochmal kommen.








Einige rutschen auf ihrem Hintern die Düne seitwärts herunter, ohne Angst vor Schlangen und Skorpionen im Sand. Craig und mir ist es wegen der Kameras zu riskant und wir wandern gemeinsam den schmalen Grat wieder zurück. Mehr Chancen auf tolle Fotos ;)



Das ist mindestens die halbe Düne, die wir da ausleeren. :)

Weiter geht’s zum DeadVlei, dem Toten Tal.
Wieder kämpfen wir uns in Schuhen durch den Sand und ich überlege schon ob es sich wohl lohnt, aber auch hier werde ich fasziniert. Was für eine fantastische Landschaft, die sich uns da auftut. 
Tote Bäume auf verkrusteter weißer Erde umringt von roten Dünen!






So cool, dass manche von uns mit Schreien erinnert werden müssen wieder aus der Fläche zurückzukommen. Hier könnte man 1000 Fotos machen.

Arthur verspricht einen kühlen Canyon. Weder von der Temperatur noch vom Canyon sind wir jedoch beeindruckt nach dem, was wir heute Morgen gesehen haben. Und so freuen wir uns auf einen Nachmittag am Pool.


Unsere Zelte sind vom Wind alle umgeworfen oder liegen gar komplett woanders. Tracy und ich haben die schweren Koffer drin und unseres ist deshalb nur umgeklappt. 
Der Nachmittag ist schnell vorbei. Manche waschen Klamotten, die bei der Hitze und dem Wind in wenigen Minuten trocken sind. Meine mitgebrachte Wäscheleine kommt doch tatsächlich zum Einsatz.

Wir werden als Gruppe immer enger. Es gibt sozusagen keine Tabus mehr. Toilettengänge während jemand direkt daneben in der Dusche steht, Unterhaltungen über Verstopfung und den Wunsch endlich richtig gehen zu können, depressive Verstimmungen und Gründe warum man alleine auf dieser Reise ist… wir haben bis zum Abend alles durchgekaut.

Zum Essen gibt es heute Arthur‘s Boomchakalaka, ein altes Familienrezept für einen Bohneneintopf. Das Wort allein lässt uns schon lachen.

Mit ein wenig Spaß aus Kanada ist der Abend für manche extra lustig und als Susan von einem nötigen „Aqua Dump“ erzählt, weil es keine Toilette gab auf einer anderen Reise, falle ich fast vom Stuhl vor Lachen. 

03. Dezember - Auch in der Wüste regnet es

Wir stehen früh auf, und ich genieße meinen Kaffee, während ich mit Mama telefoniere. Sie ist natürlich auch am Sonntagmorgen schon sehr früh wach, und deshalb klappt das sehr gut. Heute gehen wir groß einkaufen, weil wir die nächsten zwei Nächte in der Wüste verbringen werden. Wir campen und müssen deshalb auch selbst kochen. 


Solange Artur noch einkauft, spielen ein paar von uns auf dem Parkplatz eine Runde Frisbee. 

Die Fahrt ist lang, die Landschaft ändert sich ständig, und dann passiert etwas das ich noch nie gesehen habe. Es fängt in der Wüste zu regnen an. 


Und es gibt so genannte Flash floods, schnelle Fluten, weil das Wasser nicht schnell genug im Boden versinken kann. 





Aber auch der Regen ist schnell wieder vorbei, und als wir auf dem Campingplatz ankommen, ist alles schon wieder sehr trocken. In wenigen Minuten sind die Zelte aufgebaut. 


Tracy hilft mir dabei, die Schnarcher von uns fern zu halten. Für Internet laufen wir 3 Minuten in der Hitze zur nächsten Tankstelle, wo wir kostenlos im Schatten unsere Lieben anrufen, Dinge posten und unsere Nachrichten checken können. Roshan und ich sitzen länger da als geplant, und als wir zurück wollen, versperrt ein Oryx uns den Weg. 


Roshan, der alte Antilopenliebhaber, ist super fasziniert und geht näher und näher auf das Tier zu. Der Oryx lässt sich nicht beeinflussen, und grast weiter auf der Insel, die direkt zu unserem Campingplatz führt. Ich bleibe in der Nähe des Pick-up Trucks, damit ich zur Not auf die Ladefläche springen kann, um mich vor den langen Hörnern zu schützen. Irgendwann wagen wir es, und laufen an dem sehr uninteressierten Tier vorbei, um zurück zum Campingplatz zu gehen. Im Pool findet bereits eine Party statt, und das ist genau das Richtige bei dieser Hitze. 


Der Sonnenuntergang, der uns als wahnsinnig schön versprochen wurde, ist nicht so schön wie der am Orange River, aber er lässt sich schon sehen. Arthur und ein paar von uns haben Abendessen gekocht. Es gibt zwei Gerichte, Wein aus der Kühlbox, Eiswürfel, und Marshmallows zum Nachtisch. Wir sitzen da und erzählen uns Reisegeschichten. Arthur erzählt von seiner unheimlichste Teilnehmerin, eine blauhaarige Australierin, die im Beerdigungsinstitut arbeitet, sich ein Zimmer mit einer Kollegin teilt, die nach drei Tagen sagt, dass sie mit einem Messer bedroht wurde. Mehr braucht man nicht zu sagen. Die Teilnehmerin wurde vom Programm ausgeschlossen und in der nächsten Stadt abgeladen, um nach Hause zu fahren. Zum Glück haben wir niemanden hier mit blauen Haaren ;)
Wir müssen das ganze Essen gut verpacken, damit die Schakale es nachts nicht finden und auffressen. Wir werden trotzdem eine leere Chipstüte vergessen, die uns alle die ganze Nacht wach hält, weil die kleinen Tierchen sich daran vergnügen und sie über den ganzen Campingplatz verteilen. 




02. Dezember - Spaziergang am Rande des Abgrunds

Ich könnte einfach hierbleiben, so schön ist es. Meinen Kaffee genieße ich in aller Ruhe auf der Terrasse mit diesem wunderschönen Ausblick und ich merke, wie ich runterkomme. 


So schön ruhig bleibt es aber nicht. Der Timer geht runter und erinnert mich an unsere Bikinis, die noch neben unserem Häuschen trocknen. 
Und schon sitzen wir im Bus… Obwohl wir eine festgelegte Sitzrotation haben, sitzen die meisten wo sie wollen. Das ist am Ende ja auch den Meisten egal. Aber nur den Meisten 🙃

Wir nähern uns der Wüste und die Straße wird zur Piste - Afrikanische Massage nennt Arthur das und jetzt wissen wir auch warum. 
Es rüttelt und schüttelt als ob unser Bus ein gigantischer Cocktailmixer ist. 

Wir halten für einen Fotostop an und bewundern die Weite. Die Drohnen fliegen und surren über uns. 





Fish River Canyon: Top 3 der größten Canyons der Welt und genauso gigantisch präsentiert er sich auch. Bilder können das nicht erfassen. 
Wir wandern am “Abgrund” entlang von einem Aussichtspunkt zum nächsten und immer wieder läuft jemand an den Rand und macht nochmal ein Foto, auch ich 😎
Ich frage Arthur ob schonmal jemandem aus seinen Gruppen was passiert ist, und er antwortet ganz trocken: Fast, vor 5 min!
Damit meint er mich. Er passt auf uns auf und ich versichere ihm, dass ich sehr genau geschaut habe wie sicher der Stein war, auf den ich mich gestellt habe. Er grinst. 





Karge Landschaft, Steine, Steine, Steine… so präsentiert sich der Rest des Nachmittags bis Keetmannshoop. Wir halten an einem Roadhouse an zum Mittagessen und alles ist Deutsch. Das ist ungewöhnlich für mich. Deutsche Schilder, deutsche Marken… man merkt die alte Kolonialzeit noch obwohl nach den Deutschen ja die Südafrikaner das Land noch besetzt haben. 
Auf meinem kleinen Erkundungsgang ums Haus begegne ich ein paar Springboks, die aber vor mir mindestens soviel Angst haben wie ich vor ihnen. 



Giant’s Playground… der Spielplatz der Riesen
Durch Erosion ist hier eine Landschaft entstanden, die mit Sicherheit die Basis für Jenga war. Große Steine stapeln sich aufeinander, und es macht uns sehr viel Spaß darauf herum zu klettern. Es windet sehr, und am Horizont zieht ein Gewitter auf. Wir sehen Plätze und einen wunderschönen Regenbogen. Der Himmel schaut gespenstisch aus, was der Landschaft nur eine noch besseren Touch gibt. Wir haben eine Menge Spaß mit der Kletterei, nur für mich wird es etwas unangenehm, weil ich von T nicht loskomme, und er mir hinterher läuft wie ein kleiner Hund. 


Quiver Trees
Es ist unglaublich heiß, aber unser nächster Stop ist nur ein paar Minuten entfernt. Diese besonderen Bäume wachsen genau in dieser Gegend, und schauen alle aus wie gemalt. Sie sind innen hohl und dienen den Einheimischen als Kühlschrank weil die Temperatur um einiges kühler ist als draußen. Auch hier klettern wir zwischen großen Steinböcken hin und her und suchen die schönsten Bäume zum Fotografieren. Nicht alle haben sehr viel Lust darauf, und stehen lieber rauchend am Eingang.


So langsam findet sich die Gruppe, Und ich freue mich, dass Tracy und ich so gut miteinander auskommen. Auch Craig, Todd und Susan sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Generell denke ich, dass eine sehr schöne Gruppe ist, in der man jede Menge Spaß haben kann. 

Unser Hotel sieht von außen aus aus wie ein Gefängnis. Hohe graue Mauern umzingeln das Gebäude, mit einem großen Stacheldraht obendrauf. Innen drin ist es aber wunderschön, und wir genießen den Abend am Pool mit einem Glas Wein, bevor wir ein sehr leckeres Abendessen gekocht von der Hausherrin bekommen Der Schokoladenkuchen am Ende gibt uns den Rest. Er ist so gut, dass ich meine mir selbst auf verlegte Regel keine Nachtisch zu essen, über Bord werfe und den Kuchen samt Schlagsahne genieße. 


Tracy entdeckt auf Netflix, dass Squid Game wieder läuft, und ist den Rest des Abends mit Fernsehen schauen beschäftigt. Ich sortiere Fotos auf der Kamera und kann es nicht glauben, was wir alles in dieser kurzen Zeit schon gesehen haben. Das wird noch ein langer Trip, und es wird uns bald vorkommen, als ob wir schon immer gemeinsam unterwegs waren. 

01. Dezember - Der schönste Sonnenuntergang der Welt

Heute ist ein Fahrtag. Wir werden über die Grenze nach Namibia fahren und circa 9 Stunden im Bus sitzen. Es graust mir ein bißchen, weil ich nicht lesen kann, ohne dass es mir schlecht wird. Die Landschaft ist sehr eintönig, trotzdem kann ich stundenlang nach draußen schauen, während ich Podcasts über Namibia höre. 







Außerdem unterhalte ich mich mit Craig, dem in Griechenland lebenden Briten. Er arbeitet für eine gemeinnützige Organisation, die Clowns hat, die Kindern in benachteiligten Gebieten Freude bringen. Das lässt einen wirklich darüber nachdenken, welche erfüllenden Jobs es auf der Welt gibt. Er ist sehr begeistert von dem, was er tut, er arbeitet viel mit Flüchtlingen, gerade die, die in Griechenland ankommen. Im Moment kommt er aber aus Mosambik, wo er auch ein Projekt gestartet hat, in dem Kindern mit mentalen Problemen, Lachen aufs Gesicht gezaubert wird. Inspirierend!

Wir halten in Springbock an einem Supermarkt, in dem die Schlange so lange ist, dass wir befürchten, dass wir in der Zeit, in der wir hier sind, es nicht schaffen, bis zur Kasse vorzudringen. Vier von uns bestellen in einem kleinen Café an der Seite Essen, vorsichtshalber zum mitnehmen. Die Kellnerin erklärt uns, dass es mindestens 20 Minuten dauern wird, bis wir unsere Sandwiches haben weil sie sie frisch macht. Wir warten geduldig, wären die anderen am Supermarkt in der Schlange stehen. Als wir endlich unser Essen haben, sind die Pommes von Todd und Susan nicht fertig, meine Quiche ist kalt, nur der Salat, den ich wieder gefunden habe - Yay!! - schmeckt gut. Wir dürfen das alles, aber nicht am Tisch essen, weil wir es zum mitnehmen bestellt haben. Das Café ist komplett leer. Sinn macht das keinen. Aber wir beugen uns der ersten unfreundlichen Person, die wir in Afrika getroffen haben. Doch dabei soll es nicht bleiben. Springbok ist ein sehr merkwürdiges Pflaster mit sehr viel Armut. Und die Schlange im Supermarkt ist wohl deshalb so lang weil heute der 1. ist und viele ihr Geld vom Staat bekommen haben. Vor dem Supermarkt streiten zwei Männer so, dass die Polizei kommen muss. Wir entfernen uns sehr schnell, um nicht in die Mitte zu geraten. Vor dem Bus auf dem dreckigen Parkplatz essen wir unsere Sachen. Rob hat Angst, dass er den Rest seiner Pizza wegwerfen muss, weil keine Milchprodukte nach Namibia eingeführt werden dürfen. Arthur lacht: Pizza ist in Ordnung. :) 



An der Grenze dauert alles ein wenig. Bei der Ausreise behalten sie all unsere Pässe und wir verstehen nicht ganz warum. Arthur kommt mit einer Liste und allen Pässen nach 20min. Puh, das ist nochmal gut gegangen. 



Der Orange River ist die Grenze.



Gegen fünf kommen wir am Lodge an und es ist eine traumhafte Kulisse. 
Badesachen an und ab in den Fluss, der eine sehr angenehme Temperatur hat und zum Glück auch langsam fließt, so dass wir nicht allzu hart arbeiten müssen, um auf der Stelle zu bleiben. 
Der Einstieg ist allerdings ein wenig tricky. Manche machen einen Duo-Fall auf den Allerwertesten. Und ich möchte hier anmerken, dass das nicht ich war. Ich bin graziös im Schlamm stecken geblieben und hab mich dann für einen Köpfer entschieden.











Der Sonnenuntergang ist so spektakulär, dass ich zu spät zum Abendessen komme, weil ich mich nicht losreißen kann…. Und er kommt inkl. eines Ehestreits eines namibischen Paars wegen mir. Der Mann gesellt sich mit seinen Angeln zu mir und fragt mich woher ich komme. Da stürmt die Frau her, beschimpft ihn und fragt mich, was ich mit ihrem Mann will. Hmmmm, nix!!! Ich war zuerst da. 
Mit mehr Alkohol sind sie später beide wieder lieb zueinander, und wir enden den Abend gemeinsam auf der Terrasse der Lodge mit einem Teller “Farbpalette” - unterschiedliche Brandy-Sorten mit Lebensmittelfatbe. Komisch und nicht gut. Aber wem’s schmeckt. 



Der Geologe erzählt uns mit schwerer Zunge viel über die Evolution hier in der Gegend. Die perfekte Geschichte zum Einschlafen. :)

30. November - Es geht los

Um 8:00 Uhr wollen wir los, deshalb sagt Arthur zurecht, dass wir uns um 7:45 Uhr schon treffen und den Bus beladen. Ich bin noch sehr müde nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen. Im Bus geht eine große Diskussion los zur Sitzordnung. Arthur erklärt uns, dass wir jeden Tag die Sitze wechseln werden, und jeder jeden Tag die Chance hat einen tollen Sitz zu ergattern. Und es wird jemanden geben, der dafür eine App runterlädt. Und wir werden sie nicht nutzen sondern einfach jeden Tag woanders sitzen. :) Wir fahren zuerst in ein Shoppingcenter, um Wasser, Schlafsäcke und andere Dinge, die wir gegebenenfalls brauchen, zu kaufen. Die Fahrt entlang der Küste ist wunderschön, wenn auch nicht so spektakulär wie Chapman’s Peak am Montag. Noch ein kurzer Stop, um das letzte Mal den Blick auf Kapstadt und den Tafelberg zu genießen, ein erstes Gruppenfoto und wir sind weg. 



Wir fahren in ein Kulturzentrum, in dem wir zum einen die Sprache mit den Klicks lernen, zum anderen, aber auch welche Sträucher für welche Medizin benutzt werden. Es ist erstaunlich welche Sträucher welchen Effekt haben, und ich frage mich wie die Medizinmänner das rausgefunden haben. Da ist ein Tee, der dem ungeborenen Baby schadet aber viele andere Dinge kann, eine Pflanze für Bluthochdruck und Diabetes, eine für Schönheit nach der Geburt. Und natürlich haben sie auch Hanf, der den bekannten Effekt hat. 

Wir kommen am Nachmittag in Lambert’s Bay an und wer will kann zur Vogelinsel am Ende des kleinen Hafens laufen. Das ist mir allerdings zu stinkig, deshalb setze ich mich lieber ans Meer und schaue raus auf den Ozean. Leider stinkt es hier auch. Und ich bin nicht lang allein. Schnell kommen andere, die auch nicht auf die Vogelinsel gegangen sind. So sitzen wir hier bald zu acht. Wir sind immer noch alle in der Kennenlernphase. Es ist spannend herauszufinden, wo jeder herkommt, was er macht, und warum er gerade diesen Trip machen wollte. Einige sind echte Veteranen mit diesen Gruppentouren. 

Das Gästehaus ist einfach aber sehr schön. Die Besitzerin ist sehr lustig und ihr Hund Frikkie freut sich tierisch über unsere Ankunft. Wir fahren zum Weintasting in einer Gegend, in der es keinen Wein gibt. Vor uns stehen vier unterschiedliche Weine und ein Tablett mit Salz, Zucker, Kaffee, Zitrone und Sojasoße. 





Abwechselnd nehmen wir einen Schluck Wein, beißen z.B. in die Zitrone und nehmen wieder einen Schluck Wein, um herauszufinden, ob die Zitrone den Geschmack des Weins eher unterstützt oder abschreckt. Dass sich Rotwein mit Kaffee gut ergänzt, war mir vorher schon klar, aber jetzt ist es noch deutlicher geworden. Und ich habe endlich gelernt, dass ich Sauvignon Blanc mehr mag als Chardonnay. 

Vor dem Essen springe ich noch raus. Wir sind direkt am Meer und die Sonne geht gleich unter. 
Leider wird mir der Sonnenuntergang aber mit T’s lautstarker Suche nach seiner e-Zigarette, die zwischen die Steinblöcke gefallen ist, ein wenig vermiest. 





Meine Suche nach Salat nimmt heute ein halb gutes Ende. Es gibt Salat auf der Karte, und so bestelle ich einen Salat mit Rinderstreifen. Allerdings sind es eher Rinderstreifen mit ein wenig Salat. Egal. ;)
Schon um neun sind wir zurück im Gästehaus, weil um zehn der Strom abgeschalten wird. 

Loadshedding
Um Strom zu sparen, schaltet Südafrika an manchen Stunden am Tag den Strom ab. In Lambert’s Bay ist das heute von 2 bis 4:30 Uhr nachmittags von 10 bis 12 Uhr nachts und von 4 bis 5:30 Uhr morgens. Es sind immer nur maximal 2 Stunden, um Sachen, die im Kühlschrank sind, nicht zu gefährden. Die meisten Häuser haben deshalb Generatoren und so wird es laut als der Strom ausgeht.
Später auf diesem Trip erfahre ich, dass die Loadshedding Hours immer mehr werden, die Regierung aber Strom nach Namibia verkauft. In Namibia gibt es kein Loadshedding. Wie verrückt!

29. November - Chillax

Heute schlafe ich aus, frühstücke in aller Ruhe und packe meine Sachen zusammen. Ich wechsle das Hotel, um heute Abend meine Gruppe kennen zu lernen, mit der ich die nächsten drei Wochen unterwegs sein werde. Im neuen Hotel erfahre ich, dass meine Mitbewohnerin Tracy heißt und schon auf Entdeckungstour in Kapstadt ist. Weil heute mein letzter Tag ist, an dem ich mir noch ein wenig Ruhe gönnen kann, genieße ich die Zeit alleine im Hotelzimmer, schreibe meinen Blog und entscheide mich am frühen Nachmittag für ein Viertel, in dem sehr wenige Touristen unterwegs sind. Das war genau die richtige Entscheidung, denn hier gibt es sehr viele kleine Cafés, in denen es selbst gebrühten Kaffee gibt, was mir als alte Kaffeetante natürlich sehr entgegenkommt. 😂




Unterhaltungen am Nebentisch inklusive, widme ich mich heute voll und ganz dem, was ich die letzten Tage erlebt habe und schreibe auf, sortiere meine Fotos und genieße das „normale“ Leben in Kapstadt. Gegen fünf komme ich zurück zum Hotel und lerne Tracy auch persönlich kennen. Sie ist aus England, Bristol, um genau zu sein, und wir verstehen uns sofort sehr gut. Auch der Rest der Truppe ist sehr nett. Ich denke wir werden sehr viel Spaß miteinander haben. Zum Abendessen gehen wir in Marco‘s African Restaurant, in dem es afrikanische Küche aus unterschiedlichen Ländern gibt. Wieder merke ich, wie fleischlastig die Küche ist. Die Livemusik treibt alle Reisegruppen, die dort zu Abend essen sehr schnell auf die Tanzfläche, und wir sehen sogar ein Heiratsantrag. 




Für einen Absacker gehen wir noch in den Village Idiot, in dem wir mit Abstand die Ältesten sind. Es ist der In-Spot für die Jungen, Weißen, Reichen. Auch wenn es keine Apartheid mehr gibt, hier sieht man definitiv immer noch wer Geld hat, und wer dafür dafür arbeiten muss. 




Wir haben eine Menge Spaß und lernen uns sehr schnell kennen. ich bin gespannt, was ich in drei Wochen sagen werde.

Der Village Idiot begleitet unseren Schlaf die ganze Nacht. Partystimmung!

28. November - Weinregion ohne Wein

Südafrika ist bekannt für seine Weine und heute ist John pünktlich, um mich auf wunderschöne Weingüter zu fahren damit ich Weine testen kann. 
Die Landschaft östlich von Kapstadt ist anders als gestern. Hier ist wirklich alles voller Wein. 

Wir halten am 1. Weingut an. Es ist gerade mal 10:15 und ich will noch keinen Wein. Also genießen wir die Aussicht bevor wir weiterfahren. 





Es sind traumhafte Kulissen und ich verstehe, dass es eine bekannte und beliebte Urlaubsreise ist hierher zu kommen, auch wenn man nicht überall Wein trinkt. 







Um eine lange Geschichte kurz zu halten - wir fahren auf 5 Weingüter, die alle superschön gelegen sind und ich trinke nirgends einen Wein. Es ist mir einfach zu früh am Tag und würde sich komisch anfühlen. 
John ist heute abgelenkt. Er hat Probleme mit der Kindsmama und telefoniert wild gestikulierend. 

Auf dem letzten Weingut, das er empfiehlt, muss man Eintritt zahlen und es ist viel mehr als nur ein Gut. Hier wird Gemüse angebaut, es gibt Tiere und kleine Läden, in denen alle möglichen Lebensmittel verkauft werden, eine Kaffeerösterei, ein Restaurant. Da lade ich John zum Mittagessen ein und wir essen im Gewächshaus. Das Wetter ist mäßig warm und immer wieder nieselt es. 

Zurück in Kapstadt lasse ich mich in Bo-Kaap rauswerfen, dem islamischen Viertel mit den bunten Häuschen. Es scheint ein wenig wie in Argentinien. Die Häuser sind alle unterschiedlich bemalt und an vielen hängt die palästinensische Flagge. Auch hier - so weit weg von allem - entkommt man den Weltnachrichten nicht. 





Den Abend verbringe ich wieder an der Waterfront. Gute Musik, viele fröhliche Menschen und gutes Essen aus aller Welt 😋
Der perfekte letzte Abend bevor morgen die Tour losgeht? Nein. Ich laufe noch zum Sonnenuntergang, der 30min zu Fuß entfernt ist. Die Gegend scheint merkwürdig, aber es fahren genügend Autos, dass ich mich sicher fühle und der Sonnenuntergang entschädigt für das anfangs unsichere Gefühl. 


Zum Abendessen gehe ich zum am nächsten gelegenen Italiener. Naja, ein wenig üben müssen sie noch. Aber ich bin ja selbst schuld wenn ich keine lokale Küche esse.
Der fünfminütige Heimweg ist dann doch sehr unheimlich und auf der Brücke läuft ein Mann vor mir, der immer langsamer wird. Ich halte meine Tasche fest in der Hand und werde auch langsam. Als er sich umdreht, bleibt mir fast das Herz stehen, Es ist ein Polizist, der mich jetzt unter seine Fittiche nimmt und nach Hause begleitet. “Lauf nie abends alleine in so dunklen Ecken rum,” Verstanden!