Tuesday, December 16, 2014

15. Dezember Amritsar

Lange schlafen. Das ist nie verkehrt. Wenn da nur nicht der Muezin und das schreiende Kind wären... So ganz menschentauglich bin ich noch nicht als ich um 10 zum Frühstück gehe und mich die indische Menschenmasse fast erschlägt. Es ist ungefähr so laut wie auf der Strasse, nur das Hupen fehlt. Das hatte ich noch gar nicht. In keinem der bisherigen Hotels war beim Frühstücken viel los. Zum Glück gibt es guten Kaffee. Ich muss den Vierertisch, an den mich gesetzt habe, mehrfach verteidigen. "Sind sie allein?" - Nein, wir sind zu dritt. Es kommen noch zwei. - "Also zu zweit, dann müssten Sie bitte woanders sitzen." - Wir sind zu dritt!
Das mache ich ca. dreimal bis endlich Deepak kommt. Sobald ein Mann und dann auch noch ein Inder da sind, erledigt sich die Fragerei und wir werden in Ruhe gelassen. 

So richtig wissen wir nicht, was wir jetzt in dieser Stadt bis heute abend machen sollen. Den goldenen Tempel haben wir gestern abend schon gesehen und auch wenn wir heute nochmal vorbeigehen, haben wir den ganzen Nachmittag und Abend. Vielleicht können wir mit einem Fahrer ins Umland fahren und uns eine alte Steinfabrik anschauen. 

Als Erstes gehen Deepak und ich aber nochmal zum Tempel. Paul spart sich den Fusspilz und bleibt im Hotel, Weihnachtsgeschenke organisieren. 
Je näher wir dem Tempel kommen, umso mehr ist los. An einer Strassenecke findet ein Sitzstreik statt. Ein Haufen Turbanmänner sitzen auf ausgebreiteten Decken und einer brüllt. 


Vor dem Tempel geben wir wieder unsere Schuhe und Socken ab. Der Geruch ist auch schon um diese Uhrzeit nicht zu verkennen. Ekelhaft. Wir ziehen unsere Kopfbedeckungen auf und auf den nassen Matten laufen wir zum Eingang und rasen durchs Fussbad. Ich mache so einen grossen Schritt, dass ich nur mit einem Fuss ins Wasser muss. Dann muss ich hinterher wenigstens nur einen mit Fusspilzcreme behandeln :)
Ein Aufseher stoppt uns. Wir scheinen auszusehen wie Hippies. Er macht uns darauf aufmerksam, dass keine Gegenstände zum Rauchen mit reingenommen werden dürfen. Den anderen sagt er das nicht.



Heute ist es hier bedeutend voller. Überall stehen halbnackte Männer und nehmen ihr kurzes Bad im heiligen Pool. Die Schlange um in den Tempel reinzukommen, ist so lang, dass Deepak sofort entscheidet, es zu lassen. Also laufen wir nur einmal rum, machen ein paar Fotos und suchen uns einen technisch begabt aussehenden Kerl, der ein Foto von uns macht. Tja, das ist ein wenig schwierig. Wir brauchen nochmal einen. Der kann es dann aber auch. 


Durch sie Massen von Souvenirverkäufern machen wir uns auf den Rückweg und halten noch schnell am Jalianwala Bagh. In diesem Garten fand ein bedeutender Kampf statt, in dem sich 120 Menschen in einem Brunnen versteckt und so ihr Leben gerettet haben. 

Und jetzt kommen meine absoluten Strassen-Highlights!!!


Zahnarzt: er reinigt und ersetzt Zähne in 10 min. 


Zahnbürstenwühltisch, mmmh, da hat bestimmt jeder, der hier gräbt, saubere Hände. 

Paul will noch ein paar Souvenirs shoppen. Wir nehmen einen Fahrer vom Hotel und ziehen los. Der Verkehr zieht sich und wir haben eine Menge Zeit das Geschehen am Rand zu beobachten. Es gibt immer wieder noch etwas neues zu sehen. Einer transportiert 6m lange Plastikrohre mit dem Fahrrad. 
Die üblichen Haarschneideszenen sind ja schon bekannt. Und ein Traktor fährt mit offenem Motor. 
Fotos sagen das eigentlich am besten. 

Der Laden, in den uns der Fahrer bringt, hat wirklich tolle Möbel. Da könnte ich wirklich nochmal zum Shoppen anfangen. Auch alte Türen, die bestimmt mal in einem Tempel waren, gibt es hier.
Paul kauft Textilien ein und will dann noch eher Dekokram. Den gibt es hier leider nicht. Und der Fahrer weiss nicht, wo man so etwas kriegen kann. Wir fahren die Strasse ganz langsam runter und Deepak sieht einen Laden. Schade, dass ich da keine Fotos gemacht habe. Das war die Mischung aus absolutem Kitsch und extrem hässlichen Sachen aus Plastik.
Im Internet finden wir einen Laden, der Holzspiele herstellt. Das hört sich nach Treffer an. 20 min später sind wir weit weg von Läden in einer superengen Gasse, in der nur Wohnhäuser sind. Das kann es nicht sein. Mit jedem Mal abbiegen wird es unheimlicher. Schliesslich rufen wir den Typen an. Die Adresse ist von seinem Wohnhaus. Na toll. Aber seine Werkstatt ist ganz nah und da können wir uns die fertigen Sachen direkt anschauen. 3min später gehen wir in einem sehr bedenklich aussehenden Hinterhof halbkaputte Steintreppen in den 1. Stock, auf das Dach des Hauses. Hier liegt eine Menge Holz und hinten in 2 Räumen ist die Werkstatt. Die beiden Männer stellen Schach- und Backgammonspiele her. Hier schaut es so geil aus, dass ich mich kaum noch einkriege.



Zum Essen fährt uns der Fahrer zu einem westlichen Restauratnt und ich muss gestehen, eine kleine Pause vom indischen Essen tut mir ganz gut. 
Vorbei an einem Traktor mit offenem Motor, einer kompletten 4-köpfigen Familie auf einem Motorroller,... fahren wir dahin wieder 20 min. 
Im Restaurant ist es australisch/ amerikanisch kühl. Die 2 Bier und der Tee kommen erst nachdem das Essen von Paul und mir da ist, Deepak kriegt erst mit dem 2. Bier was und die kostenlosen Appetizer kommen nachdem Paul fertig ist mit essen. Das ist indische Servicequalität. Aber alles schmeckt gut, das ist die Hauptsache. 

Der Flughafen in Amritsar ist überraschend gross. Nach dem üblichen mehrfachen Zeigen des Passes und der Bestätigung des Flugs dürfen wir die Koffer scannen. Meine 2 Jungs zuerst. Da kommt ein älterer Herr mit 2 Koffern. Der wird mir natürlich noch vorgezogen. Wo kämen wir denn da hin wenn die Frauen gleich behandelt würden? Da ist schon sehr auffällig, dass hier die Inder vor den Ausländern und die Männer vor den Frauen kommen. Manchmal ist es mir egal. Jetzt gerade nervt es mich!
Und dann will der Sicherheitstyp mein Ticket sehen. Tja, das haben die Jungs, die nun schon vorgelaufen sind. Ich schnauze ihn an, dass das nicht passiert wäre, wenn alle der Reihenfolge nach drangekommen wären und nicht wieder die ausländischen Frauen zum Schluss. So, dass musste mal gesagt werden. 
Beim Check-In Schalter fehlt mir dann der Sicherheitsaufkleber am Rucksack. Ich muss nochmal zurück und mit Genuss scannt der Typ das Gepäck nochmal. Nicht, dass der andere auch nur einen Blick auf den Schirm wirft, als es durchläuft, aber grinsen tun sie alle. Ich krieg meinen Aufkleber und schleppe meinen Rucksack wieder vor. Seit ich gesehen habe, dass die Träger mehr als die Hälfte eingerissen sind, versuche ich sie so wenig wie möglich zu nutzen. Das ist definitiv die letzte Reise meines heissgeliebten Reisegefährten. 

Der Flug geht von Delhi weiter nach London. Deshalb müssen wir in den internationalen Wartebereich.
Alle gehen durch die Passkontrolle, wir nicht. Das ist ein wenig komisch und niemanden interessiert es.
Flaschen, Kosmetika, IPads... Alles darf im Rucksack bleiben. Das ist schon geil, dass es hier nicht mal innerhalb von Indien eine Regel gibt, die in allen Flughäfen gilt. 

Wir haben noch vieeeeeeeeeel Zeit bis der Flieger geht und natürlich ist er auch noch um über eine Stunde verspätet. Paul wird ein wenig nervös. Er fliegt nach Mitternacht heim und konnte hier nicht einchecken. D.h. er muss nochmal komplett raus mit allem Gepäck und wieder zigmal seinen Ausweis und die Buchungsbestätigung zeigen. 

Handy laden auf indisch...

Die Wege in Delhi sind lang. Wir brauchen gute 10 Minuten zum Gepäckband und stehen direkt am Auswurfschacht. Nur leider mal wieder am falschen. Nach einer Weile wundern wir uns warum wir die Einzigen sind. Das Band wurde nochmal geändert nachdem wir am Schild vorbeigelaufen waren. 
Wir verabschieden uns von Paul, wünschen ihm einen guten Flug und gehen nach draussen. Am Ausgang No 6 muss unser Shuttle stehen. Nur leider ist da niemand. Oder war es Säule No 6? Mit den letzten Prozent Akku ruft Deepak nochmal an. Der Typ kommt an Säule 6. Wir haben ein wenig Hunger und Deepak sucht sich was zu essen an dem Stand, ein paar Meter von unserem Gepäck. Ich gehe danach hin um meins auszusuchen und alles zu bezahlen. Das übersteigt die geistige Leistung des Kerls hinter der Theke obwohl ihm Deepak erklärt hat, dass ich alles zahle und mitnehme. Aber ich werde ja ohnehin mal wieder erstmal ignoriert. Deepak schaut mich an und fragt, was das Problem ist. "Ich bin eine Frau. Ich bekomme hier keinen Service" höre ich mich überlaut sagen. Und schon geht was. Ich kann bestellen, aber Deepak's Sachen bekomme ich nicht obwohl ich zahle. Ich erkläre es nochmal, aber erst nach einem zustimmenden Nicken von Deepak aus der Ferne geht es in Ordnung, dass ich die Sachen vom Mister mitnehme. 
Die Rechnung wird mangels eines Stifts mit einem Schlüssel auf ein abgerissenes Papier gekratzt. Geil!

Und im Hotel habe ich eine Buchungsbestätigung für 3 Zimmer, der Kollege an der Rezeption aber nur eins. Es ist nach 1 Uhr und wir streiten nicht gross rum. Wir nehmen ein Zimmer mit zwei Betten. Das hat bisher schliesslich auch immer geklappt und in ein paar Stunden sind wir ohnehin wieder weg. 




12. Dezember Die indische Hochzeit

Einer meiner Träume geht in Erfüllung. Ich bin bei einer echten indischen Hochzeit dabei. Deepak's Cousin Omesh heiratet Arshiya.

Alle Ausländer schlagen um kurz nach 9 beim Bräutigam auf. Die Sari-Wicklerin wartet schon auf uns und während die Jungs die Haarschneidezeremonie anschauen, werden Jamila und ich eingewickelt. Mit 3 Sicherheitsnadeln sollte das auch alles halten. 


Das Laufen ist ein wenig schwierig. Wir müssen nach vorne kicken wird uns gesagt. Grosse Schritte machen wir damit nicht. Als ich zum Foto machen in den Garten will, hüpfe ich über die Blumen, sehr zur Erheiterung der älteren Herren, die alle hier sitzen und darauf warten, dass es endlich los geht. Es ist weit nach 10, aber alle sind noch entspannt. 


Omesh kommt mit seinem Hochzeitsmantel - Shermani - nach draussen und es werden erstmal eine Menge Fotos gemacht. 


Dann setzt er sich im Garten auf einen Stuhl und bekommt Girlanden mit Geld umgehängt. Die kommen von seinen Eltern und den nahen Verwandten. Er sieht schon fast nichts mehr vor lauter Bändern und Gehänge als er sich in einen mit bunter Kreide gestreuten Kreis stellt. 

Frauen singen und er bekommt etwas zu essen. Das ist das Letzte, bis er verheiratet ist. 
Und er bekommt mehr Geldgirlanden umgehängt. Das ist schon um einiges festlicher als ein Umschlag, aber auch umständlich. 

Gegen 11:30 machen wir uns alle auf den Weg zum "Festgelände". Anders kann man das schon fast nicht sagen. 
Die Location ist wunderschön am Berg gelegen, aber auch hier liegt vor dem Hotel eine Menge Müll. Wir Westler sind die Einzigen, die das überhaupt sehen. 
Vor dem Eingang tanzen Frauen. Sie scheinen von der Brautseite zu sein. 
Jetzt bekommt Omesh einen Haufen Blumenkränze umgehängt. Er sieht jetzt wirklich nichts mehr. Bis zur Nase ist er voll mit Blumen und Girlanden. 


Unter einem Schirm, den ein Cousin hält, läuft er jetzt ein. Ein Videokran und eine Menge Fotografen begrüssen ihn. Die übernehmen ab sofort auch die Show. Sie sagen wer wo hinschauen und stehen muss. Überall stehen Lichtschirme, damit auch alles gut ausgeleuchtet ist an diesen sonnigen Tag. 
Erst als Omesh sitzt und wieder was sieht, kommt Arshiya. Ihre Ankunft ist weniger pompös. Ihr Kleid dafür umso mehr. Sie ist wunderschön!!!


Sie setzt sich neben Omesh und jetzt können alle kommen, um Fotos zu machen. 


Das dauert ca. 2h.
Währenddesen amüsieren sich alle Gäste, essen und unterhalten sich. Im hinteren Teil ist ein riesen Buffet aufgebaut und es rennen auch Kellner rum, die Snacks verteilen. Ich probiere Lotusblütenstamm. Das wird es nicht auf die Top 10 Liste meiner Lieblingsspeisen machen. 

Arshiya und Omseh sind immer noch nicht verheiratet. Sie gehen nach 2h aber endlich zum Feuer, wo die eigentliche Heirat stattfindet. Das passiert ohne, dass wir das so wirklich mitkriegen. Jetzt sitzen sie da, ein älterer Mann liest aus einem Buch vor, ein anderer wirft immer mit etwas, das wie Sägespäne aussieht. 





Das passiert alles neben dem Rummel der Hochzeit. Einige Gäste sind sogsr schon wieder weg. Die haben nur gegessen wie es scheint. Für uns ist das alles sehr verwunderlich. Es ist als ob hier 2 Events stattfinden. Zum einen die Trauungszeremonie und zum anderen ein grosses Essen. Immer wieder mal schaut einer beim Brautpaar vorbei. Mehr als 4-5 Leute sitzen da aber nie und schauen zu. Es gibt keinen Alkohol. Das kennen Paul und ich ja überhaupt nicht, dass es nix zum Anstossen gibt. 


Der Sari schindet Eindruck bei den Indern. :)

Viele gehen schon nach dem Essen wieder ohne das Brautpaar wirklich gesehen zu haben oder sich um die Zeremonie zu scheren. Das ist schon ein wenig befremdlich für uns Westler. 

Und auch wir gehen schon bevor alles zu Ende ist. Deepak erklärt, dass das noch Stunden dauert und normal ist, dass Leute vorher gehen. Die eigentliche Party ist schliesslich morgen. 
Ich but gespannt wie das dann morgen wird. 

Im Hotelfernsehen kommt Titanic und ich bleibe hängen. Sehr interessant ist, dass alle Schimpfwörter verstummt werden und in der Szene, in der Kate Winslet sich nackt von Leo zeichnen lässt, werden die Brüste sogar in der Zeichnung verschleiert. Das ist schon witzig. 

13. Dezember Jammu und die Hochzeitsparty

Heute lassen wir es mal ganz ruhig angehen und schauen uns Jammu an. Eine grosse Touristenstadt ist es ja eher nicht. Alle, die kommen, gehen zum Tempel, um sich als Frischvermählte den Segen zu holen. 
Ansonsten ist es eine ganz normale indische Stadt. 

Als Erstes laufen wir zu einen Hindu Tempel und während Deepak auf unsere Sachen aufpasst, geben wir die Schuhe ab und laufen bei ca. 8 Grad sockig auf dem Marmor rum. Es scheint hier eine Runde zu geben, die man ablaufen kann. Das ist schon ein wenig merkwürdig. Beim ersten Gott bekommen wir einen roten Punkt auf die Stirn, der Priester kippt uns Wasser in die Hand und befiehlt uns zu trinken. Oh nein. Was jetzt? Ich lasse es einfach in meiner Hand und versuche die Finger so zu öffnen, dass das Wasser langsam durchfliesst. Man will es ja nicht unhöfLich einfach wegkippen. Nachher ist es noch aus dem Ganges oder so. Dann kriegen wir ein paar Stück Zucker und dürfen weiterlaufen. 
Paul ist schon weg. Er will sich das wohl nicht geben. Ich finde es noch spannend. 
Nur anschauen ist in diesem Tempel mal überhaupt nicht. Jedes Häuschen hat einen eigenen Gott und jedes Mal werden wir gesegnet - oder was auch immer der nette Mann da auf Hindi sagt, müssen dafür unseren Namen sagen und bekommen Wasser zu trinken und Zucker zu essen. 
In einem Tempel bindet der Priester uns ein rotes Band um die Hand, fragt mich aber vorher noch ob ich verheiratet bin, sonst käme es an die andere Seite. Bei Jamila ist er davon ausgegangen, dass sie es nicht ist. 
Und wieder ein Gebet und wir können spenden. Zum Glück mussten wir unsere Taschen draussen lassen. Das ist die perfekte Entschuldigung. 
Um einen Tempel müssen wir dreimal rumlaufen bevor wir was sehen dürfen. Hier bekommen wir eine gelben Punkt auf die Stirn, an dieselbe Stelle wo schon der rote war. 
Und in einem Tempel wirft ein Mann das Wasser, das er nicht getrunken hat, auf seine Haare. Das ist unsere Rettung und ich mache das ab sofort auch. Nur leider habe ich so viel Wasser in der Hand, dass es zu tropfen anfängt. Mir läuft das Wasser überall runter. Jamila kann sich das Lachen kaum verkneifen. 
Unsere Füsse werden immer kälter, unsere Stirne - ist das die Mehrzahl von Stirn? - bunter und unsere Arme voller. Irgendwann reichts und wir lassen die letzten paar Tempel aus. 
Interessant ist übrigens, dass Vishnu ein schwarzer Gott ist. Das gibt es glaube ich in keiner der grossen Religionen. 

Paul und Deepak haben sich schon Sorgen um uns gemacht. 


Jammu ist ansonsten wie jede indische Stadt. Bunt, laut, voller Menschen, die uns anstarren. Ein paar Frauen aus Kashmir - wie Deepak anhand der Kleidung gesehen hat - reden mit mir, aber ich verstehe kein Wort. 
Auf dem Markt könnte ich Stunden verbringen. Es gibt so viele Sachen, die ich nicht kenne und auch die bekannten Sachen sind so schön drapiert, dass ich hunderte Fotos machen könnte. 






Was in Indien auffällt, ist die Freundlichkeit beim Foto machen. Mich sprechen Kinder an, die wollen, dass ich sie fotografiere, aber auch Männer sind superhappy, wenn man sie fotografiert. Das ist wirklich wunderschön und ich habe schon sehr viele schöne Bilder von den Menschen hier. 

Der Busbahnhof ist hier natürlich auch bunter als sonstwo auf der Welt. Und natürlich fahren hier Passagiere auf dem Dach mit und steigen auch noch zu wenn der Bus schon fährt. 


Überall steht Militär mit Gewehren. Das ist schon ein wenig beängstigend. Solche Bilder kenne ich eigentlich nur aus dem Fernsehen. 
Im Restaurant, in dem wir Mittag essen, fällt zweimal der Strom aus. Das scheint hier normal zu sein. Innerhalb einer Minute springt ein Generator an. 

Auch in den beiden Stunden im Hotel fällt mehrfach der Strom aus. 

Um 7:30 geht die Hochzeitsparty los. In der Einladung stand 7, aber wen interessiert das schon? :)
Jamila hat nochmal einen Sari, deshalb fahren wir zu Omesh's Eltern, damit sie ihn gewickelt kriegt. Ich habe die Kurta an, die ich eigentlich wieder zurückschicken will, weil der Stoff so viele Fehler hat. 

Als wir dort ankommen, sind alle noch mitten im Anziehstress. Omesh's Mama bügelt Papa's Hochzeitsanzug, der Papa steht in Unterhemd am Waschbecken und rasiert sich, die Mädels sind am Sari Wickeln. Nur Paul, Mario und ich sind fertig. Deepak bietet an den Anzug zu bügeln. 



Das ist ganz schön schwierig, weil er sehr zerknittert ist. Eigentlich genört er gedampft, aber ein nasses Handtuch muss es auch tun. Mittendrin fällt der Strom wieder aus und der Generator hat nicht genügend Saft, um etwas anderes als Lichter am Laufen zu halten. Also muss der Anzug wohl so bleiben. 

Um 8 schaffen wir es zur Festhalle... Ja, das ist wieder ähnlich wie gestern. 


Draussen sind runde Tische aufgebaut, an denen man essen kann. Im Raum stehen 15 Reihen Stühle. Vorne ist ein Thron aufgebaut mit 2 Sesseln, davor stehen wieder die Fotoschirme. Hier sitzen schon viele Leute und warten auf den Beginn der Vorstellung. Viele haben Decken dabei. Bei unter 10 Grad ohne Heizung und weit geöffneten Türen keine schlechte Idee. Ich bin froh an meiner Jacke. Jamila im kurzen Oberteil und nur in einen Sari gewickelt, tut mir leid. Sie friert erbärmlich. Vom Brautpaar ist noch nichts zu sehen. Kellner springen rum und verteilen Kava-Tee und Snacks. Und um viertel nach acht stürmen plötzlich alle das Buffet. Es geht zu wie auf dem Basar. Und das Brautpaar ist noch nicht mal da. Schon wieder findet alles ohne sie statt.


Um kurz vor 9, als viele schon gegangen sind, fährt ein nagelneuer Ford Fiesta vor. Die Sitze sind noch mit Plasitk überzogen. Das Brautpaar kommt, endlich!


Aber an Stelle einer riesen Party ist es wieder ein Fototermin. Die beiden sitzen auf ihrem Thron und alle können mal hin und sich mit ihnen fotografieren lassen. Das wird von denen, die noch da sind auch genutzt. 


Wir sind weiterhin verwundert, wie so eine Hochzeit abläuft. 
Deepak schnappt uns und führt uns vorbei an der Küche - Foto folgt :) - in einen Raum am Ende der Partyzone. Hier gibt es Alkohol. Jetzt schaut das schon anders aus. Wir können endlich mal anstossen. Ohne Brautpaar versteht sich. 
Der Bartender scheint das allerdings noch nie gemach zu haben. Er schenkt Paul so viel Whiskey ein wie mir Wein. D.h. Paul hat eine Menge Whiskey und ich nicht genügend Wein. Deepak erklärt ihm, wie man das macht und bevor ich kucken kann, stehen Paul und Deepak hinter der Bar. Ich bin im übrigen die einzige Frau hier. 


Jetzt sollten wir aber auch noch was essen. Der Ansturm ist vorbei... Jetzt ist das ganze wesentlich entspannter. 
Zurück in der Bar sind auch ein paar mehr Frauen. Puh!

Als wir gehen wollen, kommen alle Tanten und wollen Fotos. Ich komme mir vor wie ein Star. In allen Kombinationen posen wir jetzt. Deepak's Mama drückt mich ganz fest zum Abschied. Wir sehen uns aber nächste Woche noch in Delhi. 


Beim Rausgehen schaffe ich es gerade noch zu Omesh und Arshiya Tschüss zu sagen. Sie sind grad draussen beim Fotos machen. Ich bin wirklich gespannt auf den Link mit dem ganzen Material. 

Sunday, December 14, 2014

10. Dezember Agra - Taj Mahal

Paul ist da. Jetzt können wir zum Taj Mahal fahren. 
Der Highway nach Agra könnte auch in Deutschland sein. Eben, leer, langweilig. Wenn wir in den nächsten Tagen nicht noch in so einem Chaos rumfahren wie bisher immer, glaubt Paul nicht, dass er in Indien ist. 

Knapp 4h sind wir unterwegs bis wir uns durch ein sehr dreckiges Agra ans Taj Mahal ranwagen. Unseren Guide lesen wir an einer Strassenkreuzung auf. Es darf nichts mit reingenommen werden ausser Kameras und Geld. Na toll. Ich stopfe mir noch schnell ein paar Stücke Toblerone in den Mund weil mir schon ein wenig schwummerig ist. Ich müsste eigentlich Mittagessen. Aber jetzt sind wir so weit gefahren, da halten wir es kaum noch aus. Wenn ich jetzt noch aufs Klo darf, dann bin ich bereit.
Am Eingang kriegen die Ausländer, die immerhin mehr als 20 mal so viel zahlen wie die Inder, eine Flasche Wasser und Schuhüberzieher umsonst. Warum werden wir gleich sehen.

Von weitem schaut das Taj Mahal auch wenn man hier ist aus wie eine Leinwand. Es ist so symmetrisch, dass es unecht wirkt. Erst wenn man ganz nah dran ist, wirkt es echt und auch ziemlich gross.



Das Mausoleum wurde für eine Frau gebaut, 22 Jahre lang hat es gedauert. 


Und nicht nur das Taj ist hier eine Attraktion. Auch Westler wie ich sind mal wieder ein tolles Fotoobjekt. Das Mädel ganz links war die Erste die gefragt hat und innerhalb von 30 Sekunden war ich umzingelt. 


Alle anderen Gebäude ums Taj Mahal herum sind genauso symmetrisch, aber mit rotem Sandstein gebaut und nicht mit weissen Marmor. 

In einer Stunde hat man hier alles gesehen und wir laufen zurück zum Auto. Wir sind umzingelt von Verkäufern und Kameljockeys, die uns zurück zum Eingang bringen wollen. Es ist wirklich schwer hier durchzukommen. 

Im von Inder empfohlenen Restaurant essen wir. Sehr lecker! Mal wieder bestellt Deepak etwas, das mir besser schmeckt als meins. Aber er teilt ja immer gern :)

Die Rückfahrt durch Agra lässt Paul zum Paparrazzi werden. Die Einwohner bieten alles, jegliche Szenen, die Deepak und ich in den letzten Tagen schon gesehen haben, kann Paul hier sofort ablichten. 

In Noida sind wir relativ schnell - 3h - aber dann brauchen wir 1:45h bis wir am Hotel sind. Das nervt!
Wir schaffen es gerade noch so in die Lounge zum Essen und buchen für Paul die restlichen Flüge und Hotels. 




11. Dezember Hochzeit Tag 1

So ein nobles Hotel hat schon was für sich. Wir haben ewig viel Zeit heute morgen und ich will schwimmen gehen und ins Dampfbad. Der Swimmingpool ist draussen. Das fällt flach. Dazu ist es mir ein wenig zu kalt. Aber im "Nur Damen" Bereich macht Renu für mich das Dampfbad an. Oh, tut die Wärme gut... Ich bin die Einzige und merke beim Rauskommen, dass Renu dasteht und darauf wartet, was sie mir als nächstes Gutes tun kann. Das lässt mich ein bisschen weniger Entspannen. Ich gehe trotzdem in den Whirlpool, verzichte dann aber auf eine 2. Runde Dampfbad, weil es nur für mich nochmal angemacht werden müsste und gehe lieber wieder zurück aufs Zimmer. Da kann ich dann noch ein paar Emails schreiben. Das ist lange überfällig. 

Mit dem riesen SUV fahren wir schon in Richtung Flughafen los als ich merke, dass unsere ausgedruckten Flugbestätigungen alle im Zimmer liegen. Ich springe nochmal aus dem Auto. Der Fahrer ist verdutzt und brüllt, dass ich da bleiben soll. Er fährt doch. Aber ich habe keine Lust, dass es wieder 5 min dauert bis das Auto von den Hunden umschnüfdelt wurde, die Motorhaube gecheckt ist und wir Zimmernummern angeben müssen. So geht es doch schneller. 

Das Anstellsystem im Flughafen ist so wie das Land. Chaotisch. Von links und rechts und von überall kommen die Gepäckwagen und wenn man vorne am Schalter nicht aufpasst, wird man während des Check-Ins schon verdrängt. 
Mit der Starbucks Kopie sitzen wir jetzt da und warten auf Deepak. Nach Inder-Manier kommt er erst später. :) Wir gehen dann schonmal vor zum Gate und warten und warten. Als der Final Call kommt und sich die Schlange zum Bus lichtet, rufe ich ihn nochmal an und frage wo er bleibt. Er steht schon am Flieger und sucht uns. Wie hat er es geschafft sich an uns vorbeizuschmuggeln?

Wir fliegen mit einer Menge frisch verheirateter Paare. In Jammu gibt es einen Tempel, den wohl alle mal besuchen müssen. Cool ist wie sich die Saris im nagelneun Flieger spiegeln. 



Wir sehen sogar den Himalaya, von weitem. 
Auf dem Militärflughafen von Jammu darf man keine Fotos machen. Wir sind jetzt in einer Sicherheitszone. Keines unserer Handies geht. Hier stehen überall Soldaten. Und das soll sich in den nächsten Tagen nicht ändern. Indien ist immer noch im Krieg mit Pakistan und hier sind wir verdammt nah dran. 
Das Gepäckband wäre allerdings wirklich ein Foto wert. :)

In Jammu ist es kalt. Ich bin froh, dass ich meine neue Winterjacke dabei habe. Draussen bekommen wir nur ein Taxi direkt zum Tempel. Woandershin scheint hier niemand zu wollen. Wir müssen vor zur Strasse. Da kriegen wir dann eins. Der Fahrer hilft den beiden Männern ihre Koffer einzuladen. Ich darf den Rucksack selbst reinwuchten. Dann macht er auch nur den Männern die Tür auf. Ich werde keines Blickes gewürdigt. Dasselbe Spiel dann wieder am Hotel. Hier ist die Hackordnung ganz klar. Zuerst der indische Mann, dann alle anderen und dann die ausländischen Frauen. Cool finde ich das nicht. Ich trage mein Gepäck selbst hoch. Gegen Deepak's Rollkoffer komme ich schliesslich nicht an. Deepak ist es peinlich. 

Ein paar Minuten später sind wir in der Lobby, die in den 70ern mal sehr modern war, und versuchen für die nächsten Tage ein Auto zu organisieren. Taxifahren ist hier wohl schwierig. Dann lieber einen Fahrer beschäftigen, der immer und überall auf uns wartet. Das ist mir ein bisschen unheimlich, aber hier wohl ganz normal. 
So lange Deepak das in Hindi ausklamüsert, trinken Paul und ich erstmal ein Feierabendbier. Jetzt kommt der gemütliche Teil des Abends. 
Wir fahren ins Elternhaus des Bräutigams Omesh. Hier ist schon die ganze Familie und alle begrüssen uns sehr herzlich. Endlich lerne ich Deepak's Eltern kennen. Sein Papa könnte auch aus der Toskana stammen. Wenn man ihn da unter einen Olivenbaum setzen würde, würde er nicht auffallen. Und seine Mama freut sich riesig, uns zu sehen. 
Omesh ist ganz entspannt und nicht aufgeregt.
Wir kriegen 3 Tees serviert. Masala - Salztee - Kava. Den Salztee hätten sie weglasen können. Die anderen sind superlecker. 
Und auch die Kashmir-Spezialitäten schmecken supergut. Das ganze Haus wimmelt von Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen und wir mittendrin. 
Zufällig kriegen wir mit, dass die Hochzeit um 10 hier im Haus anfängt und ich um halb neun zum Sari wickeln kommen soll. Jamila, die Amerikanerin kommt auch so früh. Da wir uns ab morgen ohnehin den Fahrer mit denen teilen, kommen wir beide gegen 9. Das sollte reichen. 

14. Dezember Die pakistanische Grenze

Um halb 10 sitzen wir im Auto. 5h bis Amritsar, entlang der pakistanischen Grenze. Auffällig ist schon, dass hier ungefähr die Hälfte der Menschen auf der Strasse Soldaten mit Gewehr im Anschlag sind. Die Strasse ist relativ leer. Es ist Sonntag. Das merkt man schon ein wenig. Der Fahrer hupt trotzdem was das Zeug hält und irgendwann wird es Deepak zu viel. Er fragt ihn ob er nicht weniger hupen kann. Man muss schliesslich nicht jedes Fahrzeug oder jeden Radfahrer anhupen, der am Horizont zu sehen ist. Das hält für ca. 20 min an bevor es wieder los geht. Am Stadtrand sehen wir den ersten offiziellen Müllberg. 

Wir fahren an vielen ausgetrockneten Flussfeldern vorbei und sehen einen überdimensionalen Affengott, der zu viel in der Muckibude war. 

Die Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten Jammu Kashmir und Punjab gleicht dem was wir gestern gesehen haben. Autos dürfen einfach durchfahren, aber LKWs stehen hier Stunden. Es ist wie früher am Brenner. 



Kilometerlang steht ein Brummi am anderen und auch die Parkplätze sind bunt von den vielen Fahrzeugen.
In Punjab ist die Strasse sehr gut und unsere Handies funktonieren wieder. Wir kommen schnell voran trotz der ständigen Feisterfahrer. Und die fahren nicht nur vorsichtig am Rand sondern auch auf der inneren Spur. So ein grosser, mit Zuckerrohr hoffnungslos überladener Traktor ist ja auch nicht zu übersehen wenn er einem entgegen kommt. In Indien ist alles erlaubt was geht! Ich zähle 5 Geisterfahrer innerhalb von 10 min. Dann wird es ruhiger. 


Links und rechts rauchen die Schornsteine der Ziegelfabriken. In weniger als 4h sind wir am Stadtrand von Amritsar, brauchen aber fast eine Stunde zum Hotel im Zentrum. Und es ist wieder spannend. Fotos folgen noch...

Eigentlich wollen wir gleich zum Tempel, aber Hunger haben wir auch und heute hätten wir die Chance den Wachwechsel an der Grenze zu Pakistan zu sehen. In einem Dhaba essen wir mit den Einheimischen und probieren zum Nachtisch etwas typisches, auf dem Silber klebt. Das gehört dazu. 

Im Hotel wird unser Plan fast zerstört weil wir anscheinend zu spät sind für den Wachwechsel um halb fünf. Es ist viertel vor drei. Aber alle fahren schon um halb... Das schaffen wir noch! Deepak nimmt seine Schweizer ID Karte mit, damit er bei uns sitzen darf und schon sitzen wir im Auto und rasen los, nicht wissend, was uns hier erwartet. Der Fahrer rast wirklich, überholt wild und manchmal wird mir schon ein wenig schlecht vorne drin. 

Am Gate 3 lässt er uns raus und wir müssen den Rest laufen. Deepak nutzt unseren Ausländerstatus und wir gehen an den Anfang der beträchtlichen Schlange. Die Ausländer dürfen rechts weiterlaufen. Und so kommen wir durch mehrere Sicherheitskontrollen superschnell vorwärts. Durch Lautsprecher werden wir mit irgendwas beschallt, können aber nichts verstehen weil sie so alt sind, dass es nur rauscht. Wir laufen übrigens auf der Strasse, auf der auch die Autos zum Grenzübergang fahren. Für dieses tägliche Spektakel wird hier alles gesperrt. Mir ist ohnehin nicht ganz klar, wie viele Autos hier täglich hin und her fahren. Wegen des Kriegs können das ja nicht so viele sein und die LKWs haben ein extra Tor. Die laden alles im anderen Land ab und kommen sofort wieder zurück. 
Direkt an der Grenze sind auf beiden Seiten Tribünen aufgebaut. Das ist ein wenig so wie im Freilufttheater. Es werden Fähnchen verteilt und man kann T-Shirts und Mützen kaufen. Die Wachmänner haben grosse Fächer auf dem Kopf, aber ihre einzige Arbeit scheint es zu sein, jeden auf einen Platz zu führen. Wir Ausländer haben eine extra Tribüne, ein wenig näher dran als das gemeine Fussvolk, aber nicht so nah wie die VIPs. Von beiden Grenzseiten wird ohrenbetäubend laute Musik gespielt. Es ist wirklich eine krasse Mischung. Auf der anderen Seite sieht man die Tribüne der Frauen, die zu einem Grossteil verschleiert sind. Auf der indischen Seite dürfen die Inder mittlerweile zusammen sitzen. Das ist nicht ganz so bunt. 
Es gibt einen "Einheizer", der die Masse auf India und "Hindustan" einschwört, auf der anderen Seite brüllen alle Pakistan. Bis halb fünf dauert die Vorbereitung. Dann rennen Schulkinder mit indischen Flaggen vor den Zuschauern auf und ab. Richtige Sportskanonen sind da keine dabei. Der Schlagzeugspieler bezieht seinen Posten auf dem Vordach des Grenzgebäudes und die Kette am ohnehin geschlossenen Indien Tor wird weggemacht. Wir sehen wie hinter den Gebäuden die Wachen sich warmmachen und üben das Bein bis zum Hut hochzuschlagen. 
Der Einheizer spielt Bollywood Lieder und die Schulkinder tanzen wild. Das ist wirklich wie im Zirkus. 
Und dann geht es los. Die ersten Wachen - 2 Frauen - laufen im superschnellen Stechschritt vor zum Tor und stellen sich links und rechts davon auf. Davon kommen noch mehr, die alle vorne am Tor die Beine bis zum Hut hochschlagen wie ein Funkenmariechen. 
Das Tor geht auf und die pakistanischen Kollegen machen dasselbe.





Es folgt eine Reihe von Posen, die Kampf symbolisieren. Auf beiden Seiten spielt immer noch superlaut Musik, jetzt aber Live. 

Am Ende werden die Fahnen von beiden Seiten heruntergeholt, gefaltet und weggetragen. Dann wird das Tor wieder geschlossen und die ganze Show ist vorbei.

Alle stürmen zurück.

Das Ganze ist sehr surreal. Hier wird seit Jahrzehnten jeden Tag eine Show gemacht. Sogar Tribünen wurden dafür auf beiden Seiten gebaut und die Grenze ist für mind. 2.5h jeden Tag gesperrt. Während der Show haben einige mit ihren Koffern auf die Ausreise gewartet. 
Und weiter im Norden herrscht noch Krieg zwischen den Ländern. Inder können nicht nach Pakistan einreisen und andersrum. So ganz verstehe ich das nicht. Und noch weniger, dass das eine Attraktion ist, bei der die Inder Hindustan schreien und die Pakistanis Pakistan. 


Die Rückfahrt ist wesentlich entspannter. Unser Fahrer rast nicht mehr so. :)

Der goldene Tempel am Abend ist ein absoluter Traum. Aber um hinzukommen, müssen wir die Schuhe und auch die Socken ausziehen. Bei der Schuhabgabe stinkt es nach Fuss, dass man die Männer, die hier arbeiten, nur bemitleiden kann. Das ist wirklich eklig. 
Der Marmorboden ist a..kalt und die ausgelegten Matten sind nass. Paul juckt's jetzt schon...
Und um aufs Tempelgelände zu kommen, müssen wir zu allem Übel durch einen Fusspool laufen. Ich hüpfe... Das will ich mir wirklich nicht antun. 

Der Tempel ist den ganzen Aufwand aber definitiv wert!!!