Sunday, November 2, 2014

01. November Rumhängen in HCMC

Endlich mal länger schlafen. Seit ich in Vietnam bin, bin ich irgendwie ständig im Stress... 😄 neuer Kontinent, neue Kultur... Da will man schliesslich gleich alles erleben. 

Gretel verabschiedet sich nach dem Frühstück zum Sightseeing und ich lasse es erstmal entspannt angehen. Ausser Waxing habe ich heute nichts vor.
Und das ist hier eine fast tagesfüllende Aufgabe. Als erstes bekomme ich einen Tee, andere Schuhe und eine intensive Beratung, was alles gewachst werden kann. Dann kommen die Regeln, was ich davor und danach gemacht haben muss und machen darf und bevor es losgeht, darf ich duschen, bekomme einen Bademantel und werde gefragt, wie warm ich den Raum gerne hätte. Ein wenig komme ich mir schon vor als ob ich mehr machen lasse als nur meine Haare entfernen, so viel Aufwand wie hier betrieben wird. 
Das Waxing dauert auch eher 3 mal so lange wie Zuhause, aber  habe ja Zeit.
Nach dem Zahlen werde ich nochmal erinnert... "2 Tage keine Sonne, kein Liebe machen" 😄😄😄

Im Ben Thanh Markt finde ich was zum Mittagessen. Das ist ja auch nicht schwer bei den ganzen Mädels die einen zu ihren kleinen Ständen ziehen wollen. 

Der Nachmittag geht unspektakulär mit viel Iced Coffee vorüber und zum Abendessen gehen wir mit Naomi und Evelyne, die mittlerweile auch wieder zurück sind, in einen kleine Laden in unserer engen Gasse. Bequem sind die kleinen Stühle nicht und das Essen reisst uns jetzt auch nicht vom Hocker, aber billig ist es und Evelyne hatte ihr Streetfood. 

Es ist Samstag abend und wir haben noch ca 2h bis wir zum Bus müssen. Gretel kämpft mit einer Erkältung und geht zurück ins Hostel, und wir Mädels machen eine Runde um den Block. Wir kaufne Mango und was wir denken ist Durian. Das Geheimnis um diese Frucht ist nach wie vor nicht gelöst. In ganz Asien ist sie in Taxis, auf Flügen und in vielen Gebäuden aufgrund ihres Gestanks verboten, aber das was wir hier probieren stinkt nicht und schmeckt echt gut. Erst später kriege ich raus, dass das Jackfrucht ist, die so ähnlich aussieht, aber besser schmeckt. 
An jeder Ecke läuft heute Musik und sowohl die Touristen als auch die Einheimischen sind ganz wild auf Party. 
Ich muss so langsam auch zurück und will noch duschen bevor ich mich die ganze Nacht in den Bus lege. Evelyn und Naomi reissen sich doch noch zusammen und stürzen sich in Saigon's Nachtleben. 
Da chatten wir doch lieber noch eine Runde mit Zuhause und gehen dann durch die engen Gässchen zum Liegebus... Was da so alles passiert, habe ich in einem Exkurs zusammengeschrieben. 😄

Exkurs: Busfahren in Vietnam

Also, als Erstes zieht hier mal jeder die Schhuhe aus wenn er den Bus besteigt. Papa würde sich freuen wenn das in Deutschland auch so wäre. Jeder kriegt eine schon sehr oft benutzte Plastiktüte, in die er die Schuhe einpacken kann. Der Bus hat nur Liegesitze. Das heisst, ein normales Sitzen ist nicht möglich. 


Man kuschelt sich also sofort in seinen schmalen Sitz, idealerweise in der unteren Reihe, denn was die nächsten Stunden folgt, lässt einen sehr froh sein, dass jemand den Sicherheitsgurt erfunden hat. 

Die vietnamesische Begrüßung lässt an ein Militärappell erinnern. Vielleicht war es aber auch keine Begrüßung sondern ein kommunistisches Gebet. Wer weiss das schon so genau. 😄

Die Beleuchtung ist abenteuerlich bunt und deckt fast alle Farben des Regenbogens ab. Gut, dass die Schlafmasken im Rucksack sind... Das kann heiter werden. 
Nach dem Verteilen des Wassers und eines Erfrischungstuchs wird der Bus auf gefühlte 10 Grad heruntergekühlt. Da wünscht man sich fast auch schon eine Atemmaske, wie sie die vietnamesischen Frauen auch hier im Bus tragen. Die südamerikanische Decke kommt mal wieder zum Einsatz. Schade, dass sie nicht auch den Lärm abhält, denn die nächsten 7h, die vor einem liegen, kriegt man jedes Lebewesen, das überholt wird, mit. Das erfolgt durch mehrmaliges kurzes Drücken der Hupe. Man sollte ja denken, dass die Scheinwerfer des Busses hell genug sind, dass das vorausfahrende Fahrzeug gewarnt ist, aber dem scheint in Vietnam nicht so zu sein... Die zohrenstöpsel sind bei der Schlafmaske... Sh...!

In der vordersten Reihe schlafen zu wollen, stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Der Busfahrer will untehalten werden, was der Busboy gern übernimmt und so wird man Zeuge einer endlosen Unterhaltung mit viel Gekicher, das nur vom Hupen und dem ständigen tiefen Grunzen inkl. Aus dem Fenster rotzen des Fahrers unterbrochen wird. 
Dazu kommen die Strassenverhältnisse, die einem deutschen Waldweg den schlechten Ruf madig machen. Die meiste Zeit umfahren wir Schlaglöcher auf einer Strasse, die im Moment erneuert wird. Die Zeit, die auf Teer gefahren wird, hält sich sehr in Grenzen. Hier kommt nun der Sicherheitsgurt wirklich zum Einsatz. 

7h kann keiner durchfahren, also werden Pausen gemacht. Die weiter hinten liegenden Gäste, die aussteigen, rempeln einen nun an. Es könnte ja sein, dass man auch mal muss, oder?

Zudem wird die Musik mit zunehmender Fahrdauer immer lauter... Fehlt nur noch, dass der Fahrer die Beleuchtung wieder anmacht und wir haben einen Partybus!

Damit auch alle wissen, dass jetzt die grosse Pause ist - nachts um 3 will ich auch nicht schlafen - geht das Licht an und die, die aussteigen bekommen Flipflops angeboten, dass sie nicht barfuss zur Toilette müssen...

Und bevor man sich noch einmal von den Schlaglöchern und der Diskomusik in den Schlaf rocken lassen kann, wird es auch schon hell und man ist da!

Saturday, November 1, 2014

31. Oktober Mekong Delta Tag 2

Ring, ring... Das Telefon klingelt??? Das kann ich ja wohl nur träumen, aber Gretel ist schon auf dem Weg. Das war der Wake-Up Call von der Rezeption, damit wir ja nicht verschlafen. Wir wollen doch den Floating Market auf dem Mekong sehen und wie überall passiert hier früh morgens am meisten. 
Überpünktlich laufen wir los zum Boot und sitzen dann dort für 25 min in der Sonne weil 2 Spanierinnen noch nicht vom Homestay da sind. An die kann ich mich auch gar nicht mehr erinnern wenn ich ehrlich bin. Und als sie kommen, stellt sich heraus, dass sie erst heute zu unserer Gruppe hinzustossen und in ihrem Homestay auch 25 min auf ihr Taxi gewartet haben. Trotzdem kriegen sie einen Anschiss von JJ...
Unsere Homestay Gruppe wartet in einem anderen Boot im Schatten eines Grösseren auf uns. Dass beim Umsteigen keiner ins Wasser fällt, ist ein kleines Wunder.

Der Floating Market ist sehr gross. Es wird hier alles gehandelt, was auf einem Boot transportiert werden kann. Im Gegensatz zu dem Floating Market in Thailand, bei dem jedes Boot viele unterschiedliche Dinge hatte, scheinen die Boote hier direkt von den Erzeugerfarmen zu kommen. Sie haben nur Ananas, nur Kokosnuss, nur Kohl und alles fliegt in Windeseile von einem Boot zum nächsten. Und in dieser Affenhitze sind dabei alle auch noch eingepackt als wäre es tiefster Winter. Alle haben lange Hosen, Socken, Sweatshirtjacken, Hüte und die hier unumgänglichen Atemmasken auf. 




Zwischen den ganzen Booten schippern wir Touristen nun rum und auf kleinen Booten bekommen wir Getränke und Essen angeboten. 

Mobile Tankstelle

Vom Markt fahren wir in eine Reisnudelfabrik. Hier sehen wir jetzt wie die Reisnudeln hergestellt werden. Auch das ist wieder mehr oder weniger unter freiem Himmel und ohne jegliche Hygiene-Vorschriften. Zwischen den Arbeitern laufen Hunde rum, eine Hündin hat grad Junge bekommen...
1kg Reisnudeln kostet 1USD.
Natürlich können wir auch hier wieder welche kaufen. 


Und jetzt kommt endlich die ultimative Vietnam-Erfahrung... Ein paar von uns leihen Fahrräder aus und wir fahren mit JJ durch dieses kleine Dorf. D.h. viele Mädels und ein vietnamesischer Führer radeln auf einen kleinen Feldweg, der nicht breit genug für ein Auto ist, am Fluss entlang, rechts Häuser und Reisfelder, links das Wasser. 


Wenn uns jemand sieht, winkt er wie verrückt und schreit Hallo. 
An einer selbstgebauten Brücke halten wir an. Die sogenannte Affen-Brücke ist für uns Europäer natürlich ein Highlight und wie die Affen klettern wir darüber. Ich möchte nicht wissen wie viele Vietnamesen jetzt in den Büschen sitzen und sich totlachen. 


Die, die nicht fahrrad gefahren sind, liegen bei der Reisfabrik in der Hängematte und tun das, was die Vietnamesen regelmässig tun... Schlafen. 
Auch die 40minütige Rückfahrt nach Can Tho verschlafen die meisten. Der Floating Market ist fast leer, nur noch wenige Boote sind da, aber auch die scheinen kein Business mehr zu machen. Die warten wohl schon auf morgen. 

Das Mittagessen selbst ist recht unspektakulär. Der Grill auf der Strasse zieht dagegen einige aus unserer Gruppe an. Hier grillt einer noch lebende Langusten und andere Schalentiere. Eine hüpft sogar vom Grill. Das ist wirklich grausam wie die Tiere zappeln bis das Feuer sie endgültig verbrannt hat. Da bleibt man lieber bei den vegetarischen Nudeln. 

Der Teil unserer Gruppe, der 3 Tage unterwegs ist, verabschiedet sich und läuft mit JJ los. Auf uns warten jetzt "nur noch" 4h Busfahrt mit einmal Umsteigen in einen anderen Bus. Das sollte ja zu schaffen sein. 

Die Vietnamesin hinter mir regt sich auf als wir fragen ob es in Ordnung ist, dass wir den Sitz ein Stück zurückmachen. Sie sitzt alleine und ist ca. 1.50m gross, wir klemmen uns zu zweit in einen der engen Sitze. Naja, jeder hat sein Päckchen zu tragen. :)

In einen nicht besonders gemütlichen Strassenrestaurant halten wir an. 2 schwarze Kaffee und 2 Hängematten... Kommt sofort. 

20 min später halten wir auf einem Platz an und müssen alle aussteigen. Buswechsel... Wir warten in der Sonne und schwitzen vor uns hin... 10, 20, 30 min... Nichts tut sich. 
Aus dem Mini-Supermarkt kommt eine Mama mit ihrer Tochter raus, zieht ihr die Hose aus und lässt sie in der Hocke direkt vor den Laden auf den Gehweg pinkeln... Kein Kommentar. 

Als der andere Bus kommt, müssen auch da alle aussteigen und wir tauschen sozusagen Fahrzeuge. Welchen Sinn das hat, wissen wir auch nicht so genau, aber der Bus ist jetzt auf jeden Fall bequemer und so wollen wir uns ja mal nicht beschweren. 😄

Bis wir in HCMC sind, haben wir richtig Hunger. Hostel verlängern oder essen? Das Essen gewinnt erstmal. Und die wirklich netten Kollegen im Hostel haben auch in 1h noch ein Zimmer für uns und auch den Nachtbus nach Dalat können wir gleich buchen. Jetzt wissen wir wie es weitergeht und haben noch 1 Tag in Saigon. 

Ich habe schon den ganzen Tag leicht Kopfweh und lechze nach einer Massage. Schon wieder... Gretel befürchtet schon, dass sie das jetzt jeden Tag machen muss, aber für eine Fussmassage ist sie auch immer zu haben. 


Heute ist Halloween und während ich mich durchkneten lasse, laufen draussen auf der Strasse alle rum, verkleidet oder nicht, Hauptsache man ist dabei.


Und beim Zurückgehen ins Hostel kann ich nicht widerstehen... 😄😄😄




30. Oktober Mekong Delta Tag 1

Aus den Hostel sind wir nun zu viert auf dem Mekong Trip. Naomi und Evelyn gehen für 3 Tage, Gretel und ich für 2. Im Bus ist alles sehr asiatisch, sorich, meine Knie stossen schon am Vordersitz an ohne, dass der ihn zurückmacht. Mit dem Rucksack auf dem Gang geht das schon irgendwie. 
Nach 1h halten wir an einem Cafe an. Überall gibt es Häbgenatten und wir trinken erstmal einen vietnamesischen Kaffee. Dass wir den heiss wollen, wundert hier nicht nur heute sondern auch in Zukunft jeden. 

JJ, unser Reiseführer, kann verhältnisnâssig gut Englisch. Er stammt ursprünglich aus dem Delta und weiss wirklich viel. Er erzählt auch einiges über die vietnamesische Kultur und ein paar Unterschiede zu den Westlern. Das ist schon ziemlich interessant. 

Unser erster kultureller Stop ist an einem buddhistischen Tempel. Es gibt 3 Buddhas und JJ will von uns wissen welcher für die Vergangenheit, welcher für die Gegenwart und welcher für die Zukunft steht. Das ist ganz schön schwer zu erraten und keiner von uns hat es richtig. 


Leider haben wir keine Karte wo genau wir entlang fahren. Irgendwo am Mekong steigen wir vom Bus auf ein Boot um und tuckern nun vorbei an Verkaufsbooten, Hausbooten, See-Hyazinthen und anderen Touribooten... Eben allem was auf dem Fluss so kreucht und fleucht. 


Vorbei an ein paar Inselchen (Schildkröten-, Einhorn-, ?-Insel) erfahren wir mehr über den Mekong und die vielen Lebensräume, die er schafft. 


Auf einer der Inseln essen wir Mittag. Hier sieht man sehr gut, dass die Bewohner alles Obst und Gemüse selbst anbauen. 
Wir sitzen mit 2 Belgierinnen am Tisch, die sich erst vor ein paar Monaten in einer Laufgruppe kennen gelernt haben und jetzt 3 Wochen miteinander im Urlaub sind. Sie amüsieren sich auch ganz schön über unsere Geschichte und dass Facebook uns zusamnengebracht hat. Würde ich nicht immer posten wo ich grad gelandet bin, hätte Gretel das nicht gesehen und wir wären beide alleine rumgereist. Zu zweit macht es aber schon mehr Spass!

Vorbei an einem Freiluftwaschbecken - die Vorteile der immer-heissen Länder - fahren wir weiter und steigen an einer Insel aus, auf der Kokkos-Bonbons produziert werden. Das findet hier alles sehr handwerklich im Freien statt. Wenn man die Auflagen in einem Land wie Deutschland anschaut, wäre das hier undenkbar. :)


Natürlich dürfen wir neben der Erklärung wie es genau zur Entstehung der Bonbons kommt auch welche probieren und werden dann geshickt an einen Verkaufsstand geleitet, an dem es alle möglichen Kokosprodukte zu kaufen gibt. Keiner in unserer Gruppe ist aber kaufwütig und so bleiben sie auf den meisten Sachen sitzen. Langzeitreisende sind nunmal nicht die besten Kunden. 
Ich laufe ein wenig rum und schaue mir an, wie die Menschen hier so leben. Da sehe ich aus den Augenwinkel wie JJ aus einer Pappschachtel eine bestimmt 4m lange Schlange herauszieht und sie sich um den Hals legt. Brrrrrrrrr mich graust es vor nichts so sehr wie vor Schlangen. Ich bleibe auf Abstand und kriege nur am Rande mit, dass sich jeder mal die Schlange umlegen lassen darf. Das hätte mir gerade noch gefehlt...
Als Erste steige ich in das kleine Bananenboot ein, mit dem wir zur nächsten Show gerudert werden. Es geht in kleinen Seitenarmen flussaufwärts und unser schon etwas älterer Bootsmann rudert ganz schön um uns 4 Mädels ans Ziel zu kriegen. 


Wir werden von einer Gruppe im Motorboot überholt. Die Mädels bekommen später Ärger weil sie sich ohne JJ's Erlaubnis vom Nootssteg wegbewegt haben. Auch wir bekommen den Shitstorm ab. "Ich bin euer Leader. Ich sage euch wann und wo ihr hingeht. Wenn euch das nicht passt, könnt ihr gleich zurück nach Saigon fahren. Mit den Mädels rede ich gleich noch gesondert!" 
Ok, alles klar Boss!
Das Geile ist ja jetzt nur, dass der Chauffeur ihnen gesagt hat, wo sie hinlaufen sollen. Sie hätten ja gewartet, aber er hat sie fortgeschickt. 

Hier kriegen wir nun Honigschnaps und Obst serviert. 4 Männer spielen auf traditionellen Instrumenten und einer singt dazu. Diese Musik wurde gerade von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Geschmacksache. 


Nebenbei schmiert uns eine in ein durchsichtiges Kleid gehüllte Vietnamesin eine Honigpaste auf die Haut, die vor allem schützt... Hier ein Auszug der wichtigsten Wirkungsfelder:
- Hepatitis A, B, C und D (ja, D scheint es jetzt auch schon zu geben!)
- Potenzprobleme
- Akne
- Demenz/ Alzheimer
- Krebs
- Blindheit

Die Liste ist eine DIN A4 Seite lang und wir lachen erstmal alle. Das Zeug klebt und die Belgierin wird morgen früh einen Ausschlag auf der Hand haben.
Auch hier kaufen wieder nur die Vietnamesen was.

Mit dem Bus fahren wir jetzt nach Khan Tho, JJ's Heimatstadt. Hier schlafen wir, die Hälfte im Hotel und die andere Hälfte im Homestay, also in einem Privathaus. 
Das Hotel ist wirklich gut. Wenn man bedenkt, dass wir für den komletten Trip nur 24USD bezahlen, ist das schon sehr nobel. In der Schublade liegt allerdings keine Bibel, sondern eine paar Kondome...

Heute ist doch ein guter Abend für eine Massage. Wir laufen ein wenig rum, finden ein Restaurant mit Massagesalon oben drüber und nach ein paar Frühlingsrollen gönnen wir uns 90' Hot Stone... Mehr brauche ich dazu wohl nicht zu sagen... Ich bin im Himmel!
Leider wird das Ende ein wenig unschön als wir ganz unverschämt nach mehr als 20% Trinkgeld gefragt werden. Nicht, dass wir gar keins geben wollten, aber so viel muss es dann auch wieder nicht sein. Wir sind keine Weihnachtsgänse. 

Auf dem Nachhauseweg holen wir uns noch ein wenig Obst. Manches kennen wir, anderes nicht. Aber wir leben noch 😃




29. Oktober Stadtspaziergang und eine sehr coole Überraschung!

Heute lasse ich es ein wenig entspannter angehen und stehe nicht schon so früh auf. Die Mädels sitzen unten und planen ihren Tag. Ich muss erstmal Schuhe kaufen weil ich in den den neuen Flipflops Blasen kriege. Evelyn will mit mir das Ende des Stadtspaziergangs machen, muss aber auch noch ein paar Dinge erledigen, also komme ich in 1.5h zurück. Das sollte mir genügend Zeit geben, den im Internet aufgespürten Tommy Hilfiger Laden und hoffentlich Flipflops zu finden und vielleicht noch einen neuen Selfie Stick. Den anderen habe ich in Australien verloren :(
Das Einkaufszentrum ist zwar schön, von TH aber keine Spur. Also muss ich doch auf den Markt. Ich finde ein Paar "echte" :) Luis Vuitton und schaffe es sogar einen ordentlichen Preis rauszuhandeln. Stolz überkommt mich und ich bin mutig genug auch bei einem Selfie Stick und Schutz für mein Kameradisplay zu handeln. Aber diese Verkäuferin ist hartnäckig und lässt nicht nach beim Preis. Ich laufe weg und sie geht mir wirklich nicht hinterher. Das muss ich nochmal üben. 

Vietnamesischer Kaffee to go

Zusammen mit Evelyn und Marian fahre ich zum Postamt, das wirklich beeindruckend ist. Den französischen Einschlag merkt man hier wirklich. Und nebenan ist gleich die Notre Dame Kathedrale, die auch in einer französischen Stadt stehen könnte. Leider ist sie über Mittag zu, wie uns der nette Polizist erklärt. Wir wollen weiter zum Unabhängigkeitsplatz und er begleitet uns. Er bietet uns auch an, uns nach seiner Schicht mit dem Motorroller die Stadt zu zeigen und ich glaube Evelyn wäre interessiert. 


Hier wird alles vom Motorroller aus verkauft

Der Unabhängigkeitspalast schaut aus wie ein gutes DDR-Gebäude. :) Der Kommunismus-Einfluss ist nicht zu übersehen. Innen werden wir in die 70er zurückkatapultiert... 
Ausser Räumen für Empfänge ist hier aber nicht besonders viel zu sehen. 


Vor dem Kriegsmuseum essen wir noch eine Suppe. 

Eigentlich würde ich unter keinen Umständen in ein Kriegsmuseum gehen, aber dieses hier soll sehr gut sein und über den Vietnamkrieg weiss man aus der Schule ja eher nichts. 
Mir war da so einiges nicht ganz klar. Die Bilder sind sehr hart und in einigen Räumen muss ich vor Ende der Ausstellung aufhören weil mir schlecht wird. 
Wie hier noch welche vor dem Waffenschrank oder Fotos von verstümmelten Vietnamesen für ein Foto posieren können, ist mir ein absolutes Rätsel, aber Geschmacklosigkeit kennt bekanntlich keine Grenzen. 
Interessant ist besonders die Ausstellung über Code Orange, das Gift das die Amerikaner während des Krieges versprüht haben, das bis heute in der DNA der Menschen ist. Noch immer werden Kinder mit Verstümmelungen geboren und die Missgeburtenrate ist in manchen Gegenden besonders hoch. Die USA bezahlen dafür bis heute keine Entschädigung. 

Vor dem Museum brauche ich definitiv Zeit um das eben Gesehene zu verarbeiten. Das wird wohl länger dauern. 

Dummerweise haben wir Karten für das Wasser-Marionetten-Theater, und so kommt es zum absoluten Kontrastprogramm. Den Inhalt der Show verstehen wir zwar alle Drei nicht, aber unterhaltsam sind die 50min trotzdem. 



Interessant ist, dass die Puppen von 8 Schaustellern gesteuert werden, die mit Stäben hinter dem grünen Vorhang hantieren. Dass die sich nicht verheddern, ist schon ein Wunder. 

Vorbei an all denen, die uns etwas verkaufen wollen "1 dollar noodle", "taxi", "motorbike ride", "food", "cheap massage" und was man sich sonst noch vorstellen kann, bahnen wir uns einen Weg durch die Massen. Im Park vor unseren Hostel ist Abendsport. Bei lauter Musik treffen sich hier mehrmals am Tag unterschiedliche Gruppen und sporteln gemeinsam. Die anderen machen alleine Thai Chi und ein paar tanzen auch Standard in den kleinen Pavillons. 


Evelyn will unbedingt Streetfood, also laufen wir an einigen gut aussehenden Restaurants vorbei und merken nicht, dass es immer dunkler wird. Plötzlich kommen wir in einen heftigen Platzregen und die Suche nach dem perfekten Restaurant wird jetzt davon bestimmt ob sie Stühle im Trockenen haben. 
Sintflutartig strömt der Regen die Strassen entlang und die Rollerfahrer sind wieder in ihre Regenmäntel eingepackt. Aber auch hier stehen viele unter. Das ist kein normaler Regen mehr und die Kellnerin versucht uns zu erklären, dass in einer Stunde das Wasser reinkommt weil der Kanal es nicht mehr schafft. Zum Glück regnet es nicht so lange. 


Um 10:30 kriege ich eine Whats App... Gretel, eine ehemalige Lodestone Kollegin ist in Saigon gelandet und will sich noch auf ein Bier treffen. Yipiee!!! Und sie wohnt in derselben engen Gasse wie ich. Da ist ein Treffen leicht zu organisieren. Spontan bucht sie auch den Trip ins Mekong Delta morgen früh und so beginnt ein hoffentlich wunderschöner Urlaub zusammen. :)



28. Oktober Des Rätsel's Lösung

Um halb 5 bin ich wach und nicht die Einzige. Über mir bewegt sich was. Zum Glück kann ich nochmal einschlafen, aber um 7 ist das ganze Zimmer wach und auf dem Weg zum Frühstück. Da ist auch schon einiges los und noch während meines ersten Kaffees mache ich die Bekanntschaft von einem Kanadier, einem Finnen, einer Deutschen, einer Engländerin, einer Australierin und einem Australier (der bei mir im Zimmer schläft). Interessante Gespräche, die mich viel länger am Frühstückstisch kleben lassen als geplant. Aber wer kann schon gehen wenn so viele Nationen über den Sinn und Unsinn von Langzeitreisen und den Sinn des Lebens diskutieren? Ausserdem habe ich mir für heute ausser einer Massage und dem Finden einer Wifi Festplatte nichts vorgenommen. Erstmal ankommen ist die Devise, und das braucht es auch. 

Gegen 11 schaffe ich es mich loszueisen. Die Hostelmama hat mir ein Elektronikgeschäft empfohlen, das ich nicht auf Anhieb finde. Ich lande in einem sehr noblen Samsung Laden, in dem leider niemand Englisch spricht und werde wieder fortgeschickt. Hier hat keiner eine Ahnung was ich überhaupt will.
Nach ein paar Auf und Abs auf der grossen Strasse finde ich den Laden endlich... Dringend brauche ich ein wenig Klimaanlage. Es ist wirklich unerträglich schwül draussen. 
Leider haben die hier nur ein paar Festplatten, aber von einer Wifi Festplatte haben sie noch nie gehört. :( Enttäuscht gehe ich wieder. Was mache ich denn jetzt? Ich muss das Thema mit den Fotos lösen. Vielleicht gibt es ja doch einen Versandhandel in dem ich eine Platte bestellen und ans Hostel schicken lassen kann. Bis Arzu kommt, vergehen ja noch ein paar Tage. Da könnte sich schon noch was tun. Ansonsten muss ich halt doch USB Sticks kaufen...
Ich schwitze wie ein Schwein als ich weiterlaufe und nach einem Cafe mit Internet Ausschau halte. Und ich finde eins... Eines, das ich jetzt dringend brauche in dem Chaos von Motorrollern und vielen Menschen. :)


Bei einem Grande Non-Fat Latte recherchiere ich welche Elektronikläden es noch so gibt und finde ein Computergeschäft mit sehr ausführlicher Homepage. Sie haben 2 Filialen... Eine ist gleich um die Ecke. Perfekt. 
Da recherchier ich doch gleich noch wie das mit Massagen hier ist und finde eine Empfehlung direkt in derselben Strasse. Na, wenn sich jetzt nicht alles zum Guten wendet hier im schwülheissen Dampfbad namens Saigon oder Ho Chi Minh City. 

Die Massage ist super! Für umgerechnet unter 10 Euro bekomme ich 1h Thai Massage mit einem Hot Stone Finish. Das gefällt mir schonmal hier in Asien. 😄

Danach bin ich gerüstet für Runde 2 in der Suche nach der Festplatte. Im kleinen Geschäft nebenan gibt es nur Mobilfunk Zubehör. Der sehr schlecht Englisch sprechende Verkäufer versichert mir, dass sie im anderen Geschäft alles haben und ich glaube ihm... Grosser Fehler. 
Ich springe in ein Taxi, zeige dem Fahrer die Adresse und lasse mich hinfahren. Vor einem wunderschönen Wohnblock inmitten von Wellblechhütten lässt er mich raus. Hmmm.... Wo soll hier das grosse Computergeschäft sein? Alle Läden, die ich sehe, sind mini und hier finde ich sicher nicht wonach ich suche. Ich irre ein wenig umher und finde tatsächlich die Filiale des Geschäfts. Es ist ein typisch vietnamesischer Laden, erwa so gross wie eine Garage, vollgestellt mit Glaskästen, die alles und nichts haben. Und dafür habe ich grad 100.000 bezahlt, um mich hierher fahren zu lassen.


Die Gegend ist alles andere als für Auslânder geeignet. Kein Mensch spricht Englisch, was am Strassenrand verkauft wird, reicht von ungekühlten Muscheln über Gemüse, undefinierbares Obst bis hin zu Fleisch, Fisch und allem möglichen aus Plastik.
Ich brauche ca. 15 min um wieder ein Taxi zu finden. Hier spricht mich auch keiner der Rollerfahrer an, ob er mich irgendwo hinfahren soll... Wenn man einmal einen bräuchte. 

Zurück in der Stadtmitte brauch ich erstmal was zu essen. Das ist gar kein Problem. Hier kocht und brodelt es wirklich überall und alle essen auf der Strasse. Das kann ich auch. Mama, du musst hier in Asien über solche Stellen drüber lesen...
An einem vertrauenswürdig aussehenden Stand bleibe ich, nehme gebratene Nudeln mit Gemüse - da kann ja eigentlich nichts schiefgehen - und setze mich auf einen der sehr niedrigen Plastikstühlchen mit einem silbernen Tischchen davor. So machen das hier alle. 



Wegen des Bilderproblems gebe ich für heute auf und entscheide mich erstmal ein wenig was von der Stadt zu sehen und heute abend im Hostel noch ein paar andere zu fragen wie sie es machen. Vielleicht kriege ich ja da noch Tipps. 

Der im Lonely Planet vorgeschlagene Stadtspaziergang ist gar nicht schlecht... Im Zickzack schwitze ich mich durch Saigon, lasse mich im Ben Than Market von unzähligen Verkäufern anquatschen: "Hello Missy, cheap cheap!", überquere mehrmals todesmutig Strassen indem ich mich nicht um die Rollerfahrer kümmere sondern nur schaue, dass kein Auto oder Bus kommt. 


Würde man auch noch die Rollerfahrer beachten, stünde man den ganzen Tag auf demselben Fleck. Ich wundere mich, dass nicht mehr passiert... Aber so funktioniert das System hier. 
Kurz vor Sonnenuntergang bin ich am Bitexco Tower, dem höchsten Gebäude in HCMC. Da muss ich hoch... 49. Stock, Aussichtsplattform...



Die Scheiben sind leider ziemlich dreckig und spiegeln sehr. Die Aussicht lässt sich aber trotzdem geniessen und es ist auch nicht übermässig viel los. 
In der Liste der ikonischsten Gebäude der Welt stehe ich gerade in No 5. Witzigerweise ist das Hypo Vereinsbank Gebäude in Frankfurt No 3... Wer hätte es gedacht?

So im Dunkeln schaut alles wieder sehr schrill aus...


Im Hostel gibt es abends ein Freibier, das von den Bewohnern sehr gern angenommen wird. Viele sind da, es wird geredet, Tipps werden ausgetauscht und überall wird gelacht. 
Mit ein paar neuen Freunden gehen wir dann noch was essen und trinken auf einer Dachterrasse. Überall hängen Halloween Sachen rum. Ganz schön amerikanisiert für ein kommunistisches Land. 


Ach ja, es gab noch einen Erfolg... Wenn man seine Fotos nicht über die Google Drive App sondern über Google+ hochlädt, klappt es auch bei voller Grösse. Und so kriege ich auch das Problem gelöst!!! 😃



27. Oktober Willkommen in Asien

5:45... Mich zentriert es aus dem Bett. Warum habe ich so einen frühen Flug akzeptiert???
Zu spät. Ich muss los... Mein erster Malaysia Air Flug steht an. Ein drittes Mal in einem Jahr werden sie schon nicht runterkommen. 😄

Der Flughafen ist erstaunlich menschleer für einen Montag morgen... Die Berater sind wohl alle schon weg. 
Es erwartet mich ein 8.5h Flug auf dem ich viel Blog schreibe, 2 Filme anschaue und mal wieder mehrere Sitze für mich habe. 

In Kuala Lumpur (KL wie hier alle sagen) geniesse ich eines der vielen Sofas, die hier rumstehen, um mich hinzulegen. Ich habe ja heute schon viel geschafft. 😃
Der im Flieger ständig angepriesene Dschungel in der Mitte vom Flughafen ist leider gesperrt und kann nur durch die Scheibe angeschaut werden. Aber ich habe vorhin an der Flugzeugscheibe schon gesehen wie feucht es draussen ist. Die Scheiben haben sofort beschlagen als wir gelandet sind. Das ist nun definitiv ein anderes Klima. 


Die 1.5h Flug nach Ho Chi Minh City sind ein wenig bumpy, aber nichts, was wir nicht schon hatten. 
Und beim Abflug sehe ich durch die Wolken sogar noch die Petronas Towers...


Im Internet habe ich gelesen, dass man nur mit 2 registrierten Taxiunternehmen fahren soll, weil alle anderen nicht sicher sind. Die Einreise war unspektakulär, der Stempel in meinem Pass sehr klein. So kann es weitergehen. 
In der Taxischlange stehen nur grüne Taxis, die alle nicht von den beiden empfohlenen Firmen sind. Sie sehen trotzdem vertrauenswürdig aus, also nehme ich eins davon. Ich bekomme einen Zettel mit dem Namen des Fahrers, auch nicht schlecht, und los gehts!

Übrigens, ich bin jetzt Millionär mit nicht mal 50€ 😄


Es regnet in Strömen und ich bekomme gleich mal die bunte Vielfalt der Regencapes für die unzähligen  Motorroller zu sehen. Es gibt die auch für 2. Das schaut witzig aus wenn 2 Köpfe mit dem Tellerhelm unter dem Umhang hervorlugen. So kann auch der schlimmste Regen den Berufsverkehr nicht aufhalten. 


Es fahren ca. 90% Roller und nur 10% andere Fahrzeuge hier rum. Alles blinkt und schillert... Ich bin wirklich in Asien angekommen.
Der Taxifahrer lässt sich alle Zeit der Welt, die traditionell vietnamesische Musik geht mir jetzt schon auf den Keks, aber ich brauche glaube ich einfach ein paar Tage bis ich mich nach Südamerika und dem Reisemarathon der letzten Tage nun an Asien gewöhne. 
Jetzt lasse ich mich hier aber erstmal vom Taxifahrer verarschen, der am Hostel vorbeifährt. Ich mache ihn drauf aufmerksam und will aussteigen. Er erklärt mir, dass das eine Einbahnstrasse ist und er nicht anhalten kann. Also fährt er weiter und biegt rechts ab. Jetzt fahren wir also um den Park herum. Ich erkläre ihm, dass ich an der nächsten Kreuzung aussteigen will, aber das interessiert ihn nicht besonders. Er fährt weiter. Erst als wir einmal um den Park rum sind und wieder an der kleinen Strasse zum Hotel vorbeifahren, mache ich einfach während der langsamen Fahrt die Tür auf und zwinge ihn so zum Anhalten. Er ist stinksauer, ich steige aus und gehe zum Kofferraum. Jetzt will er Geld. 164.000 laut Taximeter plus eine extra Gebühr wegen dem Flughafen. Da steht was von 9.500 also gebe ich ihm 200.000 und will noch Rausgeld, aber er beschimpft mich, dass das nicht genug sei. Am Ende nehme ich einfach meinen Rucksack, lasse ihm die 200.000 und gehe. Ich bin sauer, er ist sauer... Es regnet. 
Ich gehe in eine superenge Gasse, in der ich mich an einem Haufen Essenstischchen vorbeidrängen muss, an denen es alles mögliche gibt, manches gut erkennbar, anderes weniger. Das werde ich morgen erkunden. Heute bin ich dafür zu müde. 
Im Hostel sind sie supernett. Ich freu mich über die freundlichen Gesichter! Da hat der Tag doch noch ein gutes Ende. Mehr als mich auf's Bett zu legen schaffe ich nicht mehr. Irgendwann kommt ein Kerl rein und nestelt im anderen Bett rum, aber das kriege ich nur noch im Halbschlaf mit. Das waren halt schon wieder 3h Zeitverschiebung... Ein bisschen viel in der letzten Woche.