Thursday, August 11, 2011

Berge und Meer


Die schlimmste Nacht bisher... Es ist richtig kalt und trotz all moeglicher Decken frieren wir.
Um 7 bewege ich mich aus dem Bett und versuche im Wohnzimmer, in dem uebrigens ein Felsen steht, Feuer zu machen. Aber das funktioniert mit dem feuchten Holz leider nicht und so sitze ich mit der Decke im Wohnzimmer beim Zeitunglesen, als alle aufwachen.
Das Fruehstueck lassen wir dank des wohlschmeckenden Abendessens vom Vorabend danken aus und beschliessen unsere eigenen Vorraete zu pluendern. Das klappt spitze und bis auf den Kaffee schmeckt auch alles.
Und wieder packen, Manni beladen und ihn in die Sonne stellen. Der war aber wohl beleidigt, weil wir ihn in dieser Eiseskaelte draussen gelassen haben und wollte erst einmal nicht anspringen.
Mit viel gutem Zureden hat er sich dann aber doch auf seinen Sonnenparkplatz stellen lassen. Bis auf Julia, die sich lieber mit ihm vergnuegt hat, als mit uns bein Wandern, haben wir also zurueckgelassen und sind losgetrabt in Richtung der Hoehlen.
Entlang von verbrannter Erde, auf der kleine gruene Bueschel wachsen, vorbei an Pavianen, die sich spaeter noch einen Kampf erlauben, arbeiten wir uns immer weiter in der erstaunlich gruenen Landschaft nach vorne.
Judith, Katrin und ich machen kurz vor dem Ziel schlapp. Hoehlen sind doch nicht so unser Ding und wir sitzen lieber an einem Fluss und geniessen die Sonne. Hier waere im uebrigen ein wunderschoener Platz, um I Sommer zu baden, aber jetzt, im August ist das Bergwasser ziemlich kalt und selbst die Hand, die ich reinstecke, wird sofort kalt.

Zurueck beim Chalet, machen wir uns schnell auf den Weg Richtung Durban. In einem suessen kleinen Cafe mit Shop halten wir und geniessen die ersten wirklich warmen Sonnenstrahlen seit wir hier sind.

Die letzte Strecke bis zum Meer in Durban schaffen wir schnell und Manni freut sich ueber die Autobahn. Im superschoenen Stadtteil Melville haben wir ein kleines Paradies hinter hohen Mauern mit Stacheldraht, Julia und ich sogar eine 90qm Wohnung mit Pornobeleuchtung. :)
Murphy, der 11 Wochen alte Welpe begruesst uns gleich und rennt rum, dass wir uns sicher sind, dass er heute nacht gut schlaeft.

Und gleich wieder raus aus dem superengen Parkplatz und Richtung Stadion, das wir alle noch von der Weltmeisterschaft kennen mit seinem markanten Bogen.
Fuer 5Euro kommt man mit einer echten Schweizer Bahn hoch auf ene Platform und der Blick von dort ist wirklich gigantisch. Auf der einen Seite der Indische Ozean mit seinen Wellen und auf der anderen die Stadt, die sogar eine Skyline hat. Wir sind uns einig: Das ist der erste Ort in Suedafrika, an dem wir uns vorstellen koennen, zu leben.

Wieder runter und sofort an den Strand! Wir schlagen uns in die Fluten – im wahrsten Sinne des Wortes. Unsere hochgekrempelten Beine werden relativ schnell nass und Judith, Andreas und Julia machen sich sogar richtig nass, dass sie tropfen. :)
Gut, dass der Indische Ozean nicht so kalt ist. Eigentlich koennten wir hier gut schwimmen, aber dazu haben wir leider keine Zeit. Wir haben naemlich alle einen Baerenhunger.
Das Indische Essen im Curryhaus ist zwar so gar nicht, was wir erwartet haben, dafuer aber typisch fuer Durban. Die Wraps sind so gross, dass einer fuer mind. 2 Leute gereicht haette!

Katrin deckt mich gerade bei der Planung des morgigen Tages mit der Landkarte zu, deshalb hoer ich lieber auf...

Wednesday, August 10, 2011

In den Bergen

Heute stehen wir ohne Wecker auf. D.h. Julia und ich schlafen lange und die anderen haben schon einen ganzen Tag hinter sich, bis wir es aus dem Schlafzimmer schaffen. Es sind schon wieder Tiere im “Garten” und die Emus und der Hund, der sich den 3 Spaziergaengern der fruehen Morgenstunden angeschlossen hat, leisten sich einen kleinen Cockfight. Die Emus kommen dann sogar bis zum Haus mit uns. Das sind vielleicht komische Tiere und ganz schoen gross.
Nachdem sich Katrin mit den Pizzaresten von gestern abend gestaerkt hat – die arme Judith muss ohne Essen los - schnappt sie sich die Autoschluessel und nachdem wir die Heckscheibe vom Frost freigekratzt haben, machen wir uns auf den Weg. Ziel ist der naechste Supermarkt, doch alle “Staedte”, in denen wir vorbeikommen, sind zu klein fuer ein Geschaeft, wie wir es uns vorstellen.
Wir fahren durch den wunderschoenen Golden Gate Park, der wirklich golden ist. Die Landschaft sieht aus wie im Westen der USA und Katrin muss des oefteren nicht nur wegen der schlechten Strassen sondern auch fuer Fotos anhalten.
Auf dem kompletten Weg bis Giant's Castle, wo wir heute nacht schlafen werden, sehen wir die witzigsten Strassenschilder wie z.B. “Keine Feuer fuer die naechsten 25km” oder “Keine Zaeune fuer die naechsten 10km”

An einer Baustellenampel muessen wir warten und sehen viele Wohnwaegen vor uns. Da sieht man einfach, wie klug die Suedafrikaner sind. Wie wir gleich merken, ist die Baustelle so lang, dass wir gute 20 min fahren, bis wir das Ende erreichen. Die Suedafrikaner kennen das wohl schon und bringen mal vorsichtshalber eine Uebernachtungsmoeglichkeit mit, wenn's mal wieder laenger dauert.
Auffaellig ist allerdings, dass keiner auf der kilometerlangen Baustelle arbeitet, an den Enden bei den Ampeln aber eine Menge Bauarbeiter stehen. Das ist hier immer so und wir fragen uns so langsam wie hier jemals eine Strasse neu geteert wird, wenn nie einer arbeitet wenn wir vorbeikommen.
Die Wartezeit vertreiben wir uns mit dem Einueben der Wiesn-Songs. Schliesslich brauchen wir die bald, wenn wir wieder zurueck sind.

In Harrismith versuchen wir, Mittagessen zu bekommen und sind dank der Erfahrungen des gestrigen Tages schon versucht, nach dem Bestellen einen Teil der Gruppe in den Supermarkt zu schicken, um Zeit zu sparen und danach gleich weiter fahren zu koennen. Aber unser Essen kommt superschnell und erstaunlicherweise haben sie auch alles da. Endlich mal wieder Salat!
Dafuer brauchen wir danach im Supermarkt fast den Skianzug, so kalt ist es hier und Julia und Judith werden von einer Frau belaestigt, die an die Scheibe kommt. Durch Ignoranz werden die beiden sie aber auch los.

Die Landschaft ist nun genauso wie wir sie uns fuer die Elefanten, die wir immer noch nicht gesehen haben, vorstellen. Nur leider lassen die grossen Riesen immer noch auf sich warten. Dafuer ueberfaehrt Katrin fast einen Pavian. Beim Anhalten stellen wir fest, dass das nicht nur einer war, sondern mehrere und wir knipsen drauf los wie die Weltmeister und machen gefuehlte 200 Affenfotos. Da dies aber die ersten wirklich wilden Tiere sind, die wir sehen, ist das wohl ok aus meiner Sicht, Katrin sieht das anders. :)
Nicht nur die Affen sind toll, ich bin besonders begeistert von den Baeumen und erwaehne das nur so oft, dass auch alle mitkriegen, dass ich Baeume gerne habe (Schaetzung von Andreas: 84 mal).

Hannelore unser Navi hat seinen Mojo verloren und leitet uns hinter der Autobahn auf einen Feldweg. Wenn der zu Giant's Castle fuehren soll, wollen wir da vielleicht doch nicht hin.
Also zurueck, Hannelore ignorieren und auf die Autobahn, damit das Auto nochmal den 6. Gang geniessen kann, bevor wir uns die letzten 1,5h die Berge hochschlaengeln. Je weiter wir hochkommen, umso enger wird die Strasse, aber unser frisch getaufter Manni schafft das locker.

Hier oben ist es nun so kalt wie noch nirgends, 3 von uns sind schon ein wenig krank und das Abendessen im Restaurant hier ist alles andere als gut, aber wenigstens nicht besonders teuer, wobei es den gestrigen Preis nicht schlagen kann.
Katrin und Judith wollen endlich ihre Nudeln und bekommen sie auch. Leider schmecken sie so seifig, dass sie lieber jetzt im Wohnzimmer unsere Junk Food Reste pluendern.
Wenigstens das Wasser ist richtig heiss. Julia hat uns alle in ihr Damfpbad im Bad eingeladen, das sie gerade gemacht hat.
Das wird hoffentlich die letzte kalte Nacht... Leggins und Jogginghosen sind heute auf jeden Fall angebracht beim Schlafen.

Tuesday, August 9, 2011

Lesotho

Heute bekommen wir zum ersten Mal richtig Afrikanisches Fruehstueck: Bohnen, die wir dankend ablehnen und Ei. Man erkennt nur ganz marginal die Verwandtschaft zu den Eroberern auf der Insel.
Und auch in Lesotho gibt es die haessliche Mischung aus Barney und Blue's Clues, die wir aus 2 Fernsehern verfolgen koennen.
Heizung auf Lesothisch: Heizpilz im Raum, geschlafen wird uebrigens mit Heizdecke.
Hannelore, unser Navi verfaehrt sich ein paar Mal und leitet uns an die Suedafrikanische Grenze, was wir aber nicht wollen, schliesslich koennen wir nicht noch mehr Stempel auf einer einzigen Seite in unserem Pass ertragen, wenn wir jetzt aus- und in 2h wieder einreisen, um dann heute abend Lesotho komplett zu verlassen.
Wir machen uns also mit der Strassenkarte – ganz im Lesotho-Stil – auf den Weg nach Botha-Bothe.
Dabei werden wir 2mal von der Polizei aufgehalten und schaffen es sogar ohne die von Marek vorgeschlagenen max. 30 Rand = 3 Euro Bestechung zu zahlen.
Dafuer bekommen wir umstaendliche Erklaerungen, wie wir an unseren fiktiven bestimmungsort gelangen.
Botha-Bothe ist eine Stadt mit 2 Strassen – die 2.groesste in Lesotho – in der es vor Menschen nur so wimmelt. Ueberall wird etwas verkauft, Frauen laufen mit Plastiktueten auf dem Kopf tragend von einem “Laden” zum anderen und wir sind schneller draussen als wir kucken koennen.
Die kommende Strecke fuehrt uns auf ueber 3000 m Hoehe. Fast geschafft, ist ein LKW vor uns, neben dem wir locker herlaufen koennten und so nutzen wir die freigewordene Zeit fuer Freiluftpinkeln und ein Fotoshooting mit XX, unserem immer noch namenlosen Auto.
Auch hier sieht es unwirklich aus, die Berge sind schneebedeckt und wir sind der 1. Schneeballschlacht schon sehr nahe.
Nachdem ich – als Alpenerfahrene – das Steuer uebernehme, landen wir in der Oxbow Lodge, die laut Lonely planet, hervorragendes Essen haben soll.
Das wuerden wir gerne testen, erwarten es aber kaum. In Lesotho ticken die Uhren einfach anders. Unsere Wetten wie lange 2 Sandwiches, 2 Huehnchen und 1mal Lamm dauern, werden uebertroffen, weil zwischendrin die Kuechencrew selbst Mittag macht.
Aber wir vertreiben uns die Stunde Wartezeit mit lustigem Bienenjagen! Judith: “Jetzt geh doch ins Glas, da gibt's doch was. Jetzt stell dich doch nicht an wie der letzte Depp.”
Als das Essen endlich kommt, ist es wirklich gut, nur manche bekommen die Serviette erst 5 min nachdem sie mit dem Essen fertig sind und der Teller schon wieder in der Kueche ist, damit auch das 2. bestellte Sandwich seinen Weg zu unserem Tisch findet.
Alles, was gegrillt sein sollte, ist in der Pfanne gebraten, aber wie mein Onkel so schoen sagt, der Hunger treibt's rein.
Der Bestellzettel ist von den vielen Umbestellungen wegen nicht vorhandensein essentieller Zutaten so unuebersichtlich, dass Katrin nur noch alles bezahlen kann, ohne zu wissen, was wieviel kostet.
Bis zur Ski-Area schaffen wir es leider nicht mehr, weil wir vor Anbruch der Dunkelheit ueber die Grenze zurueck nach Suedafrika wollen. Noch eine kleine Schneeballschlacht und schon sind wir wieder auf dem Weg zurueck Richtung Batho-Betho.
Und wieder stehen wir an beiden Grenzuebergaengen. In Lesotho bei der Ausreise muss ich einen Fragebogen ausfuellen und kriege vor lauter Aerger gleich Nasenbluten. In Suedafrika ist die Einreise easy und unser Hotel gleich neben der Grenze.
Diese Nacht haben wir ein Chalet fuer die Maedels und ein Einzelzimmer fuer Andreas, das er aber gern abgibt, um in unserem Wohnzimmer zu naechtigen.
Da wir auch eine Kueche haben, wollen wir Salat fuer ein leichtes Abendessen kaufen, aber in Fourisburg gibt es ebenfalls nur 2 Strassen und so gut wie nichts zu kaufen, also gehen wir ins lokale Pub und wollen dort was leichtes.

Und hier kommt der Restaurantbesuch aus der Sicht des ueberaus netten, suedafrikanischen Kellners:
“Ich habe 2 Gaeste, das sollte ein ruhiger Abend werden, aber hier parkt gerade ein weisser riesenjeep vor der Tuer. Den habe ich hier ja noch nie gesehen. Ich heisse 5 Touristen aus Europa willkommen und gebe ihnen unsere lustigen Traktor-Speisekarten.
Bis auf den einzigen Mann, der eine Pizza will – Was ist das denn fuer ein Mann, kann der kein Steak essen? - wollen alle Salat. Kein Problem....
Oder doch... Wir haben ja gar keinen Salat. Also ueberbringe ich die schlechten Nachrichten und gebe ihnen die Speisekarte nochmal zum Aussuchen. Ich schlage ihnen das typisch suedafrikanische Essen vor, Maisplaetzchen mit Fleisch. Es ist ohnehin komisch, dass die alle was vegetarisches bestellen, da werden sie doch gar nicht satt. Die Linke erklaert mir dann, dass sie heute schon suedafrikanisch gegessen haben, Huehnchen in Senfsosse (Das ist doch nicht suedafrikanisch).
Jetzt wollen sie alle Pizza und dann auch noch mit komischen Zutaten. Aber mir soll's recht sein, immerhin habe ich die beiden Maedels auf der rechten Seite davon ueberzeugt, je eine Pizza zu essen und sie nicht zu teilen.
Dafuer lasse ich sie jetzt eine Weile warten. Die haben ja Zeit und koennen mehr trinken. Das tun sie aber auch nicht. Alle meine Bemuehungen, ihnen etwas anderes als ihre Colas aufzuschwatzen, scheitern. Und jetzt bestellt die Eine auch noch ein Mineralwasser. Wir haben aber nur Stilles. Das macht nichts, ich erklaer ihr das schon: “Sorry, das ist Mineralwasser, da ist nur leider die Kohlensaeure schon raus.” Das schluckt sie und bestellt sogar noch einen Rotwein. Na, endlich, werden sie ein wenig lockerer.
Ich bringe ihnen ihre Pizzen und frage, ob auch alles schmeckt. Zumindest sagen sie nicht nein, aber aufessen tun auch nicht alle. Ob die wohl wirklich nicht so viel Hunger hatten? Das kann ja gar nicht sein.
Und dann wollen sie die Reste eingepackt haben. Pizza! Das kann man doch nicht mehr essen. Aber mir soll's Recht sein. Und der Typ bestellt noch einen Cupcake zum Mitnehmen. Das ist vielleicht eine merkwuerdige Truppe.
Um halb acht verabschieden sie sich schon. Was die heute wohl noch machen???
Dafuer habe ich ihnen jetzt die vollen 20 Euro abgeknoepft fuer's Essen. Und mittlerweile habe ich auch noch andere Gaeste, die wenigstens ordentlich trinken.”

Ja, und jetzt sitzen wir hier in unserem Wohnzimmer, das Feuer brennt mittlerweile auch und waehrend ich das schreibe, massiert mir Katrin die Fuesse. So sollte es immer sein!
Gute Nacht!

Monday, August 8, 2011

Auf dem Weg ins richtige Afrika

Das Fruehstueck beginnt mit schwerer Musik... Ave Maria erinnert mich gleich an Weihnachten im August, wenn auch die Kulisse hinter dem wunderschoenen Lodge eher nach einem New England Winter aussieht. Es wird auch nicht besser mit der Musik, aber wir wollen ja ohnehin so schnell wie moeglich nach Lesotho zu Marek.
Ich setze mich ans Steuer und bin ueberrascht, wie schnell ich mich an den Linksverkehr gewoehne. Die Strasse ist um einiges besser als gestern nacht und wir kommen schnell voran. Die Landschaft ist atemberaubend, steppenaehnlich und golden. Unendliche Weite, wie es in Deutschland wohl nie moeglich ist und es gibt kaum kleine Oertchen.

Die Grenze nach Lesotho ist ein wenig verwirrend. Typisch fuer solche Grenzuebergaenge stehen ueberall Menschen mit Haufen von Dingen, Lebensmitteln, Moebeln, allem was man so transportieren kann.
Wir parken unseren protzigen VW und Andreas und ich checken mal die Lage. Selbst die Wartebaenke bei “Immigration Departure” sind festgekettet und ungefaehr so wohl fuehlen wir uns auch. Ausserdem sind wir von Schengen so verwoehnt, dass uns auch nicht so ganz klar ist, dass das hier nur die Ausreise aus Suedafrika ist. Die Einreise nach Lesotho verpassen wir fast. Gut, dass wir dann doch gehalten haben. Das Einreisebuero ist im Vergleich zu den richtig verglasten Schaltern des groesseren Nachbars naemlich ueberhaupt nichts. Ein Tisch, an dem wie beim Einlass in die Disko 3 Leute sitzen, die einen mustern, den Pass anschauen und einen einen Zettel ausfuellen lassen. Der Suedafrikaner vor mir gibt “Einkaufszentrum” als Adresse in Lesotho an und wir fragen uns schon, ob es was ausmacht, wenn wir die Strasse unseres Hotels nicht wissen. Aber das scheint niemanden zu stoeren. Wie wir spaeter von Marek erfahren, haette es wohl auch gereicht zu sagen, dass wir keinen Stempel brauchen. Wissen tut das keiner so genau in Lesotho.
Kaum ist eine halbe Stunde um, haben wir noch 30 Rand bezahlt und sind im Land, was auch gleich Maseru, die Hauptstadt ist.
Marek schickt uns gleich weiter nach Malealea zum Reiten. Ich schaffe es mit unserem weissen Schiff gleich mal eine ganze Ecke Zeit von Hannelore unserem Navi abzufahren. Die Landschaft ist atemberaubend und ich muss des oefteren anhalten oder zumindest langsam fahren, damit jeder seine Fotos schiessen kann oder ich Order geben kann, dass sie gemacht werden. Satz der Fahrt: “Prepare to take a picture in 100m” - Bereiten Sie sich darauf vor, ein Foto zu machen in 100m.” Die Holperstrecke am Ende erinnert ein klein wenig an Costa Rica, aber das spornt nur noch mehr an.
Die Pferde sind schon gesattelt und bevor wir richtig schauen koennen, sitzen alle ausser Katrin im Sattel und Strike, Buffo, Microscope und M... (Andreas' Hirn ist auf so einer Hoehe nicht das Beste)
Die Landschaft ist noch unwirklicher als schon auf der Fahrt. Wir kommen uns vor wie in einem anderen Universum. Das ist Afrika, wie wir es uns vorgestellt haben. Lehmhuetten, Kuehe, Pferde, Schafe, Esel, und viele kleine Kinder.
Mein Pferd will nicht so wie die anderen und der Guide schreit mich an: “You have to kick it” - du musst es treten. - Aber ich will das Pferd nicht treten. Das versteht er nicht und so bleibe ich oft hinten bei Katrin, die neben uns herlaeuft. Mein Pferd kennt auch so den Weg.
Der Souvenirstop ist sehr erfolgreich, zumindest gegen spaeter... Judith bekommt Ohrringe zu sehen, ich will auch, aber Strike, mein Gaul macht wieder nicht mit und das mit dem Treten funktioniert auch nicht so richtig. Also kommt der Verkaeufer zu mir und holt mich mit Strike ab zu Judith.
Und er macht das Geschaeft seines Lebens. 5 Paar Ohrringe fuer 20 Euro und wir handeln nicht mal, weil er es wirklich verdient hat.
Und auch beim Gruppenfoto am Ende hatten wir wieder leichte Koordinationsschwierigkeiten. Microscope mit Julia hat sich staendig im Kreis gedreht und meiner wollte wie vorauszusehen ueberhaupt nicht zur Gruppe. Also ist das Foto wohl ein wenig ungewoehnlich. Das macht es aber doch aus, oder nicht?

Auch auf der Rueckfahrt machen wir mehrere Fotostops. Das warme Licht der Abendsonne taucht die Bergwelt in ein wunderschoen warmes Licht und die Fotos sind der Wahnsinn.

Maseru selbst ist eine Stadt, die man nicht unbedingt gesehen haben muss. Sie ist eine Mischung aus klassischer Grenzstadt und haesslicher Hauptstadt. Es wohnen viele Menschen in den Vororten, die sehr dreckig und mit vielen Blechhuetten verbaut sind.
Wir checken im Hotel ein und sind im Nachhinein froh, dass es einen Sicherheitsmann gibt. Die Geschichten, die uns Marek beim Abendessen erzaehlt, schocken uns.
Uebrigens: Typisch afrikanisches Essen ist Fleisch...
Fuer den Absacker fahren wir in ein Hotel mit Blick ueber Maseru und man sieht genau, wie klein und dunkel die Stadt ist und vor allem, wo die Grenze zu Suedafrika deutlich zu sehen ist, weil danach ueberhaupt nichts zu sehen ist.
Heute Nacht haben wir uebrigens Schwaene, die uns mit ihrem Geschrei wach halten. Aber nach den Katzen von letzter Nacht ist das ja kein Problem mehr. :)

Sunday, August 7, 2011

Die erste Safari

In diesem Urlaub werde ich noch oft fluchen, wenn ich um Zeiten wie 6:40 aus dem Schlaf gerissen werde weil der Wecker klingelt... Aber die Tiere sind nun mal morgens und abends am aktivsten. Und ausserdem wird es schon um 18 Uhr dunkel und deshalb haben wir beschlossen lieber immer frueher ins Bett zu gehen, um die Tage nutzen zu koennen.
Die Lightshow von Judith's persoenlicher kleiner Freundin ignorieren wir soweit es geht, sind aber dennoch von den Blinkelichtern ihrer Schuhe mehr als irritiert und vor allem geblendet. Was tun Eltern heute nicht alles, um ihre Kinder den ganzen Tag rumrennen zu lassen und vom Essen abzuhalten.
Der “Bus” mit dem wir den Game Drive machen wollen, ist ein offener LKW. Kurz ueberlegen wir, ob wir nicht noch den Rest unseres Kofferinhalts anziehen wollen, aber da kommt schon unser Fahrer, weist uns genau darauf hin “Hi, ich bin Yan-Hendrik, Yan, fuer die, die den ganzen Namen nicht aussprechen koennen. Ich hoffe, ihr habt warme Klamotten dabei. Los geht's!”
Die Parkregeln sind schnell erklaert und beziehen sich auf das einzige Tier, das wir hinterher nicht sehen werden – die Elefanten.

Kaum sind wir im Park, geht es auch schon los mit dem Gestaune. Springboecke und Zebras sind die ersten Parkbewohner, die wir sehen. Fuer Yan sind das aber nicht die interessanten und so faehrt er schnell weiter. Dass Julia und ich neben Rockstars sitzen, kriegen wir noch heraus... :)
Auf dem Weg zu den Loewen, die sich ganz in der Naehe aufhalten sollen, sehe ich ganz kurz meine persoenlichen Favoriten, die Giraffen. Uhhhh, jetzt hat sich fuer mich der Urlaub schon gelohnt.

So, hier kommt nun die Preisfrage des Urlaubs: Welche Tiere gehoeren zu den Big Five?
Na, wir werden es noch oft diskutieren und Tiere dazu und wieder wegnehmen.
Auf jeden Fall sind wir uns einig, dass das, was wir jetzt sehen, dazu gehoert. Oben am Berg grasen 2 Nashoerner – Big Five 1 abgehakt. Gnus und Straussen sehen wir viele und schon kommt der naechste grosse: 3 Loewinnen sind auf der jagd nach einer Herde Gnus. Big Five 2 abgehakt.
Die Jagd haben wir uns allerdings ein wenig spannender vorgestellt. Hauptsaechlich sitzen die Loewinnen nur rum, verstecken sich hinter einem Busch und legen sich gegen spaeter sogar zum Sonnen noch auf ein paar Steine. Da wollen wir schon noch mehr Action sehen.
Von einem vorbeifahrenden Auto hoeren wir, dass weiter vorne gerade ein paar Elefanten ueber die Strasse gelaufen sind, aber wir bleiben lieber noch ein wenig bei den Loewen, was sich im Nachhinein als schlechte Entscheidung herausstellt. Die Loewinnen machen nichts mehr und die Elefanten sind dann weg. :( Dieser Zoo ist einfach doch zu gross, als dass man eine Garantie hat, alles zu sehen.
Yan meint dann nur, dass wir ja immer noch die Backup Elefanten haben und faehrt uns zu einem kleinen Coffee Shop fuer eine Pause.
Von den vier Toiletten sind 2 nicht benutzbar und das Schild sagt: Out of order. Ich lache und sage, das ist ja klar, dass 2 Toiletten Out of office sind, womit wohl klar war, dass ich noch nicht ganz im urlaub angekommen bin.
Mehr als 20 min zu spaet kommen auch unsere Rockstars wieder zurueck zum LKW und wir fahren weiter. Auf dem Weg zu den Backup Elefanten sehen wir Giraffen, nicht nur eine sondern 5! Tolle Tiere!
Leider sehen wir auch die Backup Elefanten nicht mehr, obwohl wir uns bemuehen.
Die Backup Elefanten lassen sich leider nicht mehr blicken, dafuer machen wir auf dem Weg raus aus dem Park noch einen Umweg zu Katrin's geliebte Nilpferde, die sich gemeinsam mit Zebras, Springboecken und Gnus an einem kleinen See sonnen.
Alle posen wie die Weltmeister und bewerben sich um Afrika's Next Topmodel, nur die Nilpferde liegen faul rum und bewegen sich kein bisschen. Da muessen wir leider sagen: “Nilpferde, wir haben heute leider kein Foto fuer euch!”
Auf der Suche nach dem Fishadler geraten wir in eine Herde Zebras. Zebras in Afrika sind wie Schafe in Irland, es gibt superviele und sie werden als Loewenfutter extra in den Park gebracht weil sie billig sind.
Ein kleines Zebra ist auch dabei und die Beschreibung von Judith, wo es steht, ist einzigartig: “Na, das kleine vor dem grossen Zebra!” - Welches? “Na, das Schwarz-Weisse!” :)

Und schon ist unser erster Game Drive zu Ende. Wir packen unsere Sachen in der Lodge und versuchen, etwas zu essen zu finden. Da Sun City nahe ist und wir es ohnehin sehen wollten, beschliessen wir uns dort den Bauch vollzuschlagen.
Unser kurzer Abstecher nach Sun City entwickelt sich zum Tagesausflug. Wir bezahlen Eintritt, um ueberhaupt zu den Hotels zu kommen und was uns erwartet, ist ein kleines Las Vegas mitten in Afrika. Alles ist dunkel, ueberall Spielautomaten und es gibt viele Fast Food Restaurants. Katrin will lieber richtiges Essen und wir warten eine gefuehlte Stunde auf den Bus, der uns in das beruehmteste dieser Hotels bringt, damit wir dort essen koennen. Als der Bus endlich kommt, faehrt er aber keineswegs direkt zum Hotel sondern macht die grosse Runde ueber die anderen Hotels und fast auch noch den Parkplatz. Endlich oben angekommen sind manche von uns schon kurz vor dem Ausflippen und dann kommt der Hammer: Wir duerfen nicht rein, wenn wir keine Gaeste sind oder im Rahmen einer Tour kommen.
Andreas wird jetzt superkreativ. Mit dem Foto in der Hand erzaehlt er dem Tuersteher, dass wir einen Termin bei Mr. Bush haben und deshalb rein muessen. Das glaubt Gilbert, unser bald neuer Freund ihm aber nicht und so muss Andreas ihn bestechen... 200 Rand und schon sind wir Gaeste und bekommen auch noch die Grand Tour.
Wir setzen uns in die Tuskbar, die drinnen so kalt ist wie draussen. Auch auf das Essen warten wir wieder ewig. Uebrigens bestellt Katrin dann doch den Burger.
Nach einer gefuehlten Ewigkeit raetseln wir ob die Springboecke noch gefangen werden muessen und der Burger wohl mit dem Bus aus dem Fastfood Restaurant herangekarrt wird.

Wir frieren, aber die Englaender sind wie immer verlaesslich in kurzen Hosen, Roeckchen und Aermellosen Tops unterwegs... Was die Inselinzucht mit denen macht, ist einfach unglaublich.
Damit sich mein Kollege in Muenchen nicht so allein fuehlt mit seinem schwulen Cocktail, bestellt Andreas hier gleich einen aehnlichen. Die Stosszaehne, mit denen die Cocktailkrische auf den Getraenken festgehalten wird, finden wir nun in seiner Jacke wieder.
Dafuer, dass es so lange gedauert hat, ist es auch nicht das beste Essen und das Sun City Hotel enttaeuscht uns in der Gesamtperformance.
Dass zu den Burgern dann Silberbesteck gereicht wird, finden wir auch nicht mehr lustig.

Gilbert, unser Retter im schwarzen Mantel zeigt uns dann noch den Rest des Hotels und den Weg auf den Turm. Von dort haben wir aber wirklich eine spitzen Aussicht auf die Umgebung.
Vor dem Hotel machen wir uns auch gar nicht erst die Muehe auf den Bus zu warten. Als Gaeste :) haben wir schliesslich das Anrecht auf Limo-Service, den wir auch nutzen.
Zurueck am Parkplatz macht sich Julia hinter's Steuer und wir sind so schnell es geht auf dem Weg nach Kroonstaad.
Pothole!!! Das ist das Wort der Fahrt... Die Strecke ist voller Schlagloecher und um Punkt 6 wird es dunkel, was das Fahren nicht gerade leichter macht.
Julia bremst auch fuer Tiere, insbesondere Katzen, die von Katrin fuer einen kleinen Puma gehalten werden.
Ich mache mich daran, die 11800 Songs auf meinem ipod durchzusuchen und eine Playlist fuer's Auto zu erstellen. Nach 1,5h bin ich schon bei Song 2000, habe also nicht mehr so viel vor mir... :)
Gerade noch rechtzeitig vor Schliessung des Hotelgates fahren wir durch die Schranke.
Zum Essen gibt es nichts mehr, also suchen wir alles aus dem Auto zusammen, was es noch so gibt und machen “All you CAN eat”. Noch ein Sambuca zum Nachspuelen, einen netten Blick auf jeden, der in der Toilette sitzt, dank der durchsichtigen Glastuer und schon schlafen wir unter den Deckenmassen.
Die Katzen sind neidisch und kratzen an der Scheibe und wollen reingelassen werden, aber wir sind hart.

Saturday, August 6, 2011

Muede!

Um 10:30 Ortszeit – also wieder zurueck aus einer anderen Zeitzone in die deutsche – landen wir in Johannesburg. Manche sind noch ein wenig muede, andere schon total aufgeregt, weil es jetzt endlich losgeht.
Beim Auto mieten kommen uns schon die ersten Schwierigkeiten entgegen...
EXKURS: 7 Gruende warum man uns keinen Mietwagen geben kann
1. Schluessel steckt nicht
2. er wurde erst auf halb eins bestellt
3. kopieren der 5 Paesse und Fuehrerscheine dauert ewig
4. 5 mal nachfragen ob wir auch nach Swaziland und Lesotho einreisen wollen
5. Kurzschliessen funktioniert nicht
6. Muss noch geklaut werden
7. Muss noch aus Cape Town gebracht werden
8. Wurde schon an die schreiende Italienerin vor uns vergeben
9. Wir haben die Gallone Wasser leergemacht und muessen nun zur Strafe laenger warten.
10. Es ist nicht klar, wer zustaendig ist

Dafuer bleibt uns aber genuegend Zeit, bei Katrin's und Julia's 14-jaehrigem Kennenlernjubilaeum dabei zu sein, das hier direkt bei Europcar, dem Wasser aus der leeren Gallone und einer Packung Prinzenrolle gefeiert wird.
Aus dem Lonely Planet wissen wir, dass wir kein protziges Auto fahren sollen, um die Aufmerksamkeit nicht auf uns zu lenken. Der Kommentar vom Geschaeftsfuehrer, als wir nach einer knappen Stunde endlich Schluessel zu sehen kriegen ist dann: Das ist ein VW Amorok, er ist nagelneu.
Die Europcar Dame schickt uns auf den Weg mit dem tollen Fahrtipp: Just be safe! (Fahrt einfach vorsichtig)
Das Auto ist riesig, nur leider verbraucht der Kofferraum den meisten Platz. Egal!
Supermuede machen wir uns auf den Weg und Andreas findet sich im Linksverkehrchaos schnell zurecht. Nur das mit den Gaengen... egal!

In einem Supermarkt in Rustenburg stocken wir mal ein wenig die Vorraete auf. Am liebsten wuerde ich ja nach den ganzen merkwuerdigen Flugzeugmahlzeiten und dem Junk Food der letzten 24h die kleinen Tomaten mitnehmen, aber die kommen aus Italien und das finde ich dann doch zu krass. Auch den neon-gelben Sirup – suedafrikanische Alternative zu Kontrastmittel – lassen wir stehen. Krasse Farbe, Fotos folgen!!!
Die Wegbeschreibungen der Einheimischen sind aehnlich praezise wie in den meisten Laendern ausserhalb Deutschlands: Die Lodge ist auf dem Weg nach Sun City gleich rechts.
In der Realitaet sind das 30 min Fahrt mit einigen Abzweigungen, aber das macht nichts, wir sind ja werder muede noch haben wir tierischen Hunger...

Die Bakubung Lodge, direkt am Pilanesberg Nationalpark ist ein Paradies. Wir kommen an und noch mit dem Begruessungscocktail in der Hand sehen wir die ersten Tiere. Pumbas – Warzenschweine, Aeffchen und Perlhuehner grasen direkt im an die Lodge angrenzenden Nationalpark.
Muede und gluecklich geniessen wir, endlich angekommen zu sein.
Der Leopardenteppich in den Zimmern laesst uns dann vollends ins Safari-Fieber schwinden und die Nilpferdaufkleber auf dem Toilettenpapier gefallen Katrin natuerlich besonders gut.

Wir beschliessen, dass der, der den 1. Tiger – Tischer – sieht, einen 10er bekommt. Dass wir dafuer nach Asien muessten, merken wir schon noch, keine Sorge. Aber es gibt ja noch viele andere Tiere, fuer die es sich lohnt, nach Suedafrika zu fahren.

Beim Abendessen treffe ich dann einen Kollegen. Die Welt ist so klein... Und ich denke mir noch, als er zur Tuer reinkommt, dass er genauso aussieht wie eben der, der er dann auch wirklich ist. Er ist gerade auf dem Suedafrika Projekt und nutzt 10 Tage Urlaub. Ja, die Welt ist klein!

Am Kaminfeuer wollen wir den Abend noch ruhig ausklingen lassen und uns ein wenig unterhalten. Das ist aber ueberhaupt nicht noetig, die Rockstars einer uns unbekannten Punk-Rock-Band unterhalten sich lautstark an der Bar ueber Crack, Weed und alles moegliche andere, das man rauchen kann. Ausserdem bietet einer von ihnen dem deutschen Harry Potter, der neben ihnen sitzt dauernd an, dass er in seinem Haus in LA schlafen kann, weil er ihn behandeln wird wie f%*@#ing Family. Und er scherzt nicht – I am not kidding!
Das ist uns zu viel und wir verschwinden in die kuscheligen Betten...

Friday, August 5, 2011

Der schwarze Kontinent...

Ich glaube, Katrin will mich nicht mitnehmen... Als ich sie endlich erreiche, ist sie schon auf dem Weg um Flughafen. Ich bin ja aber auch noch frueh genug dran und schaffe es rechtzeitig an den Flughafen, um die rumaenischen Kollegen noch zu treffen und Tschuess zu sagen. Und siehe da, da sitzen Katrin und Judith und essen noch etwas, bevor wir uns mit einer ganzen Menge bunt gemischter Menschen in den Flieger in Richtung Dubai pressen. Von Touristen ueber weiss gekleidete Araber, konventionell angezogene und komplett Verschleierte ist alles dabei. Es duerfte also ein spannender Flug werden und kaum sind wir on board, geht es schon los.
Ein junger Mann sitzt auf meinem Platz am Rand. Neben ihm ist noch frei. Ich will aber meinen Gangplatz haben und mache ihn darauf aufmerksam, dass er falsch sitzt. Er ist fest davon ueberzeugt, dass das nicht stimmt. Auch das nette Bildchen auf den Gepaeckfaechern kann ihn nicht ueberzeugen und noch mit dem Rucksack auf dem Ruecken brauche ich eine Stewardess zur Verteidigung meines Platzes.
Kaum sitzen wir und der Flieger wird voll, wird eben jener Asiate von der Stewardess gefragt, ob er alleine reist. Im vorderen Teil des Flugzeugs sitzt eine Frau, die nicht neben einem Mann sitzen moechte wegen der O-Ton religioesen Probleme. Er ist erstaunt, ich kann es kaum glauben, aber 2 min spaeter sitze ich tatsaechlich neben einer Frau, die nun nur noch von selbigen umgeben ist.
Und schon geht mein Arabisch Kurs los. Die Frau diskutiert fleissig mit der Stewardess und deckt sich dann zu, um zu schlafen. Mehr zu dieser Storz ein wenig spaeter.

Wir heben ab und Emirates hat wirklich ein wahnsinniges Angebot an Filmen, Musik und Videos. Es dauert eine Weile bis wir Getraenke und Essen bekommen. Das liegt hauptsaechlich daran, dass unheimlich viele Religionen im Flieger vertreten sind. Es dauert also schon ca. 30 min bis alle ihre Special Meals haben.
Immer wieder kommt auf den grossen Screens ein Flugzeug mit einem Pfeil und einem schwarzen Wappen. Erst als meine Sitznachbarin ploetzlich leise zu murmeln anfaengt verstehe ich, dass das wohl Mekka ist wohin der Pfeil zeigt und das Wappen ein Gebetsteppich. Das sind Services, die ich noch in keienm Flugzeug gesehen habe.

Ueber Bukarest und Constanza machen wir uns ans Schwarze Meer und fliegen direkt ueber den Irak.
Und wieder kommt eine Durchsage auf Arabisch, die ich nicht verstehe. Die Frau neben mir wacht auf und der Stewart kommt sofort mit getrockneten Feigen vorbei und fragt, was sie essen will. Als sie auch noch Mangosaft bekommt, beginne ich zu verstehen. Es ist Ramadan, die Durchsage war das Announcement, dass die Sonne untergegangen ist und wieder geht das Tablett verteilen los...

Katrin hat in der Zwischenzeit ihr ganz eigenes Abenteuer. Der Junge neben ihr gibt uns einen 2. Blick auf das Flugzeugessen... Gut, dass sie Blistex, ihre Riechsalbe dabei hat, sonst haette das boese enden koennen.
Und nein, die Geschichte von mir, als das komplette Flugzeug sich das Essen nochmal hat durch den Kopf gehen lassen, wollte sie nicht hoeren. Uebrigens hat der Kleine schon wieder Kekse in der Hand. :)

Beim Aussteigen aus dem Flieger laufen wir gegen eine Wand von 38 Grad Hitze. Der Flughafen ist typisch Dubai: Protzig und shiny.
Julia und Andreas treffen wir am Gate, an dem es auf den Liegestuehlen, die wir ergattert haben, ziemlich kalt ist und die Passagiere, die hier noch vor uns nach Dhakar aufbrechen, haben einen unangenehmen Geruch, so dass wir uns ein anderes Plaetzchen suchen, um die viereinhalb Stunden Aufenthalt gut ueber die Buehne zu kriegen. Den Vorschlag, eine Scheibe einzuwerfen, um ein wenig Waerme in das Gebaeude zu bekommen, verwerfen wir schnell wieder. Wir wollen ja hier nicht im Gefaengnis landen.
Steffi, unsere neu gewonnene Freundin, die Katrin, Judith und mir aus dem Muenchen Flieger zugelaufen ist und uns nicht mehr in Ruhe laesst - “Ja, ich finde, wir sollten uns ein wenig bewegen, ich bin auch ganz steif vom Flug” - begleitet uns natuerlich. Alleine wuerde sie sonst den Weg zurueck zum Gate und in den Flieger wohl nicht finden.

Vorbei am dubaianischen Kabelvogel finden wir noch ein paar Baenke bei den Palmen. Die Maedels machen sich auf den Weg, um die Shops zu erkunden – nicht, dass es auch nur einen Shop gibt, der wirklich toll waere – und Andreas rettet mit einem “Are you crazy” Katrin's noch halbvollen Wasserbecher wieder aus der Muelltonne, in die er vom fleissigen Aufraeumer bereits verfrachtet wurde.

Als ich wieder von meinem Spaziergang zurueckkomme, sehe ich Julia, die es tatsaechlich geschafft hat, sich auf den Baenken zwischen die Lehnen so einzuklemmen, dass sie schlafen kann. 100 Punkte fuer endlose Kreativitaet bei vollkommener Muedigkeit.

Und am Ende der schied endlos erscheinenden Wartezeit, kommen wir dann zum Final Call am richtigen Gate an, das sich mittlerweile nicht mehr 5min von uns entfernt befindet sondern geaendert wurde und nun am genau entgegen gesetzten Ende des Flughafens ist. Steffi bekommt fast einen Herzinfarkt und stuerzt sich sofort in den Bus zum Flugzeug, waehrend wir in der Hitze auf den 2. bus warten.

Im Flieger wurde dann noch Desinfektionsspray versprueht und den Rest verschlafen wir.